Einfaches RGB

Selbstbestimmung?!

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Ich hatte letzte Woche in meiner Sprechstunde dreimal die gleiche Fragestellung, die mich nachdenklich gemacht hat. Kurz zum Sachverhalt: Drei Patientinnen mit aktiver schubförmiger MS, die Mitte der 2000er begonnen hat. Bei allen drei war die Basistherapie mit Interferonen und Copaxone nicht in der Lage, die Erkrankung ausreichend zu kontrollieren, was zu leichten motorischen Einschränkungen geführt hat. (mehr …)

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Fragezeichen

Ist Bequemlichkeit ein Argument ….

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Ich habe neulich eine junge Patientin beraten – sie ist kürzlich volljährig geworden, es war ihre erste Vorstellung in der Erwachsenenneurologie. Ihre MS hatte schon im 15. Lebensjahr begonnen. Damals erfolgte die Betreuung durch eine Kinderklink. Man hatte ihr Interferon-beta 1a (Rebif) zur Immuntherapie verordnet, sicherlich auch deswegen, weil für diese Substanz eine Zulassungserweiterung für die Behandlung von Kindern vorliegt. Das ist bei nicht volljährigen Patienten immer ein wesentliches Argument bei der Auswahl der Therapie und die Rechtslage ist für Ärzte durchaus ein wichtiger Punkt.

Nun soll es hier nicht um die Zulassung von Medikamenten im Kindesalter gehen, sondern eher darum, dass die 3x wöchentliche Applikation eines Interferons nicht komfortabel ist  – erst recht für Teenager, die ja durchaus andere Dinge im Kopf haben als die Therapie einer chronischen Erkrankung . Die Interferontherapie hatte bei meiner jungen Patientin keine optimale Wirkung gezeigt, die Folge-MRTs hatten immer wieder neue Herdsetzungen gezeigt und klinisch fanden sich Hinweise auf (milde) sensible Schübe.

Während des Beratungsgespräches habe ich sie gefragt, wohl wissend, wie herausfordernd das Spritzen sein kann, ob sie das Präparat überhaupt regelmäßig einnimmt. Nach einigem Zögern (ihre Mutter war mit anwesend) räumte sie ein, das sie die Medikation hin- und wieder auslasse, bzw. auch mal „Pausen“ einlege – sie treibe dafür viel Sport, hätte ihre Ernährung umgestellt und nehme Vitamine.

Aus meiner Sicht ist das eine vorsichtige Umschreibung dafür, dass sie möglicherweise jede Gelegenheit nutzt, das Medikament nicht zu nehmen – und dementsprechend kann es natürlich auch nicht so wirken, wie es wirken soll. Meine Patientin ist auch kein Einzelfall, sondern wahrscheinlich eher die Regel, denn aus klinischen Erhebungen wissen wir, dass die Adhärenz bei vielen MS-Medikamenten nicht besonders gut ist.

Wie soll man jetzt mit der Situation umgehen? Natürlich könnte man alles so belassen, den Zeigefinger heben und fordern, dass das Medikament regelmäßig eingenommen werden muss. Das würde aber wahrscheinlich nichts bringen, und womöglich langfristig auch dazu führen, dass sich meine junge Patientin von der konventionellen Therapie der MS abwendet. Eine solche Situation würde niemandem gerecht.

Dementsprechend ist es wesentlich sinnvoller, unter dem großen Angebot der aktuellen MS-Therapien tatsächlich das Medikament herauszusuchen, das für den individuellen Patienten am erträglichsten ist. Ein Medikament, das „bequem“ ist, das problemlos in den Alltag integriert werden kann und nicht ständig Erinnerungen an eine chronische Erkrankung hervorruft.

Und deswegen ist die Antwort auf die Eingangsfrage auch ein klares „ja“. Bequemlichkeit ist mit ein adäquates Argument für oder gegen eine Therapie. Patienten mit MS, egal wie jung oder wie alt, dürfen, ja müssen einfordern, dass die Bequemlichkeit einer Therapie bei der Auswahl mit berücksichtigt wird – wobei jeder Mensch „Bequemlichkeit“ individuell definieren kann und darf. Eine wichtige Aufgabe des Arztes ist es, den Weg zu einem individuell „passenden“ Medikament zu ebnen (selbstverständlich unter Abwägung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses). Denn niemand hat etwas davon, wenn viel Geld für Medikamente ausgegeben wird, die in irgendeiner Schublade landen – und schon gar nicht von Patienten, die aufgrund unzureichender Behandlung Behinderungen entwickeln.

Fazit: Die „Bequemlichkeit“, oder wie man neudeutsch sagt die „Convenience“ eines Medikamentes, steht für mich bei der Auswahl der Therapie gleichberechtigt neben Wirkung und Sicherheit

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Urlaub

Reisen mit MS

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Das Thema Reisen muss individuell betrachtet werden,  Personen, die bereits Einschränkungen durch die Erkrankung haben, werden ihr Reiseziel und ihre Unterkunft mit Blick auf ihre individuellen Einschränkungen auswählen und auch ganz spezifische Fragen haben. Was ist aber, wenn Personen zwar die Diagnose haben, ansonsten aber keine oder nur wenig Behinderung aufweisen und somit körperlich uneingeschränkt reisefähig sind. Hier kommt es dann doch manchmal zu Unsicherheit und mir wird oft die Frage gestellt „Bin ich wirklich uneingeschränkt reisefähig, kann/darf ich überall hinreisen?“ Zu dieser Situation ein paar Gedanken.

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MS und Alter

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

„Die Zeit spielt für Sie“ – das ist eine häufige Aussage, wenn bei älteren MS-Patienten Therapieentscheidungen anstehen. Wahrscheinlich muss ich jetzt erst einmal festlegen, was ältere MS-Patienten sind. Immunologisch betrachtet sind das MS-Patienten, die das 55. Lebensjahr überschritten haben. In diesem Zeitraum kommt es zu einer langsamen „Verschlechterung“ des Immunsystems – was wir als Immunoseneszenz (von lat. senescere = alt werden) bezeichnen. (mehr …)

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