Sonne

Strategien gegen die Sommerhitze

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Heiße Sommertage sind eine Herausforderung für viele MS-Kranke. Bereits gesunde Menschen leiden unter den warmen Temperaturen, fühlen sich schlapp und leistungsgemindert. MS-Erkrankte leiden häufig noch deutlicher unter dieser Leistungsminderung. Darüber hinaus kann das sogenannte Uhthoff-Phänomen dazu führen, dass körperliche Symptome verstärkt wahrgenommen werden. So kann z.B. eine spastische Gangstörung, die bei normalen Temperaturen allenfalls gering ausgeprägt ist, bei großer Hitze die Gehfähigkeit deutlich beeinträchtigen. Aus diesem Grund sind Strategien, die das Uhthoff-Phänomen abmildern, mehr als willkommen.

Glücklich ist natürlich der, der bei diesen heißen Außentemperaturen in einem klimatisierten Umfeld aufhalten und arbeiten kann. Ist das nicht gegeben, sollte man sich (v.a. bei größeren Betrieben) mit dem Betriebsarzt in Verbindung setzen, um Lösungen herbeizuführen. Denn auch wenn das Uhthoff-Phänomen per se nicht gefährlich ist, so kann das Arbeiten in einem zu warmen Umfeld für einen MS-Kranken durch rasche Erschöpfung und körperliche Symptome zu einer echten Qual werden. Das kann grundsätzlich nicht im Sinne des Arbeitgebers sein. Daher ist das Einschalten des Betriebsarztes absolut gerechtfertigt.

Die einfachste Strategie, die man selbst anwenden kann, ist die kontinuierliche Zufuhr kalter Getränke. Diese sollten nicht mit einem Schluck „heruntergekippt“ werden, sondern in kleinen Schlucken (z.B. durch einen Strohhalm) immer wieder zu sich genommen werden. Gute Dienste leisten hier isolierte Trinkgefäße. Eiswürfel können dafür sorgen, dass die Flüssigkeit länger kühl bleibt. Die Versorgung mit kühlen Getränken setzt aber eine gewisse Logistik am Arbeitsplatz voraus.

Als technische Mittel zur Kühlung können Ventilatoren und Klimageräte dienen, aber auch Kühlwesten haben mittlerweile eine recht guten technischen Stand erreicht und können zu realistischen Preisen angeschafft werden. Bei den Kühlwesten gibt es verschiedene Prinzipien – entweder es werden Kühlakkus in dafür vorgesehene Taschen eingesetzt (eher unpraktisch), oder spezielle Textilien werden mit Hilfe von Wasser aktiviert – die Kühlung erfolgt dann über die Verdunstungskälte. Dies ist auch aus meiner Sicht das Prinzip, dass sich durchgesetzt hat und bei dem ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis besteht. Nicht schlecht sind auch Arm- oder Stirnbänder, die auf diesem Prinzip beruhen.

Im häuslichen Bereich kann man sich auch mit günstigeren Mitteln behelfen – so kann man synthetische Funktionsshirts (keine Baumwolle) in die Tiefkühltruhe legen und es dann z.B. vor einer körperlichen Betätigung anziehen. Die Bevorzugung von leichter und heller Kleidung, sowie von schattigen Plätzen im Freien versteht sich von selbst.

Trotz aller dieser Tips sind jedoch solche extremen Wetterlagen wie derzeit eine echte Belastung für viele MS-Kranke, die unter einer Hitzeempfindlichkeit leiden – aber kein Sommer dauert ewig

Weiterlesen
PML-JC Virus

„Extended Dosing“ bei Natalizumab – eine sinnvolle Strategie zur Senkung des PML-Risikos?

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Tysabri® (Natalizumab) ist ohne Zweifel ein sehr wirksames und auch gut verträgliches Medikament zur Behandlung der aktiven Multiplen Sklerose. Sehr viele Patienten haben in der Vergangenheit von der Behandlung profitiert und waren mit der Wirkung und dem individuellen Therapieerfolg zufrieden. Leider hat Natalizumab eine ganz wesentliche und schwerwiegende Nebenwirkung – Patienten mit positivem JC-Virus-Nachweis im Blut tragen das Risiko einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) durch das JC-Virus. (mehr …)

Weiterlesen
MRT_1

Kortison bei MR Veränderungen?

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Ich habe schon häufiger über die Rolle des MRT geschrieben. In der Realität erlebe ich häufig ein Unterscheidungsproblem zwischen klinischen Reiz- und Ausfallerscheinungen (= MS-Schub) und Veränderungen im MRT (neue Läsionen). (mehr …)

Weiterlesen

In Sachen MS-Docblog

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Der MS-Docblog wurde ohne Vorwarnung offline gestellt und es erreichten mich Mails, die zeigen, dass der Blog vermisst wurde. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass der Blog vermisst wurde. Das zeigt ja vor allem eine interessierte Leserschaft. Nun bin ich froh, dass der MS-Docblog wieder online gestellt werden konnte. (mehr …)

Weiterlesen
20130421_Arztbilder_017_MRT_M. Mäurer_Johannes u. Maarit Kiefer

Die neuen McDonald Kriterien

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Im Jahr 2017 wurden die Diagnosekriterien der MS, die sog. McDonald Kriterien, durch ein internationales Expertengremium revidiert. Die Revision wurde Anfang 2018 in Lancet Neurology publiziert (Thompson et al. Lancet Neurol 2018; 17: 162–73). Revision der Diagnosekriterien – das klingt erst einmal nach einem wichtigen Thema. Ich glaube aber, die tatsächliche Bedeutung der aktuellen Revision für Patienten dürfte sich in Grenzen halten. (mehr …)

Weiterlesen
Medikamente

Zulassung von Daclizumab zurückgezogen

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Vor kurzem hat die Firma Biogen in Absprache mit der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung des MS-Medikamentes Daclizumab zurückgezogen. Der Hintergrund war, dass es neben einem Todesfall aufgrund einer autoimmunen Leberentzündung, der schon zu einer Indikationsbeschränkung der Substanz geführt hat, nun zu Fällen von Hirnentzündungen gekommen ist, die ursächlich auf das Medikament zurückgeführt wurden. Angesichts dieser Ereignisse war die Nutzen-Risiko-Bewertung für das Präparat negativ, auch vor dem Hintergrund ausreichender Therapiealternativen zur Behandlung der schubförmigen MS. (mehr …)

Weiterlesen
Medikamente

Induktion versus Eskalation – was ist das vielversprechendere Regime

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Mit der Verfügbarkeit zelldepletierender Antikörper wie Alemtuzumab oder auch Ocrelizumab kommt immer häufiger die Frage auf, ob wir unsere Strategie zur Behandlung der MS ändern müssen. (mehr …)

Weiterlesen