Urlaub

Reisen mit MS

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Das Thema Reisen muss individuell betrachtet werden,  Personen, die bereits Einschränkungen durch die Erkrankung haben, werden ihr Reiseziel und ihre Unterkunft mit Blick auf ihre individuellen Einschränkungen auswählen und auch ganz spezifische Fragen haben. Was ist aber, wenn Personen zwar die Diagnose haben, ansonsten aber keine oder nur wenig Behinderung aufweisen und somit körperlich uneingeschränkt reisefähig sind. Hier kommt es dann doch manchmal zu Unsicherheit und mir wird oft die Frage gestellt „Bin ich wirklich uneingeschränkt reisefähig, kann/darf ich überall hinreisen?“ Zu dieser Situation ein paar Gedanken.

Grundsätzlich kann man als Person mit Multipler Sklerose ohne wesentliche Einschränkungen überall hinfahren, wo man möchte. Dennoch sollte man sich bei der Auswahl des Reiseziels fragen, wie gut man Hitze verträgt. Das sog. Uthoff-Phänomen, das bei hohen Außentemperaturen auftritt und dazu führen kann, dass bestimmte neurologische Reiz oder Ausfallserscheinungen wieder merklich werden (z.B. unscharfes Sehen bei einer Sehnervenentzündung in der Vergangenheit), ist zwar nicht gefährlich, es kann aber lästig sein und den Urlaub verderben. In solchen Fällen bieten dann wahrscheinlich Orte und Länder mit gemäßigtem Klima mehr Erholung.

Die Sorge von vielen MS Betroffenen ist ein akuter Schub im Urlaub. Ein Schub muss nicht unbedingt ein Grund sein, den Urlaub abzubrechen. Zum einen muss bei milder Schubsymptomatik (sensible Symptome) nicht zwangsläufig Kortison gegeben werden, zum anderen ist in Ländern mit guter medizinischer Versorgung eine Kortisongabe ohne Probleme möglich. Man sollte allerdings während einer Kortisontherapie (und einige Tage danach) direkte Sonnenexposition vermeiden, da die doppelte Beeinflussung des Immunsystems (Kortison + UV Strahlung) die Entwicklung von Herpes-Infektionen (Lippenherpes, Gürtelrose) fördern kann. In jedem Fall sollte man als MS Betroffener in eine entsprechende Auslandskrankenversicherung investieren – nicht nur wegen der Absicherung falls man doch die Reise abbrechen müsste, sondern auch weil die Kosten für medizinische Leistungen in manchen Ländern (z.B. den USA) sehr teuer sind.

Natürlich gibt es viele attraktive Reiseziele, in denen die medizinische Versorgung nicht (flächendeckend) mit der unseren zu vergleichen ist. Hier möchte man vielleicht als MS Betroffener im Falle eines Schubes nicht unbedingt medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Sollte man deswegen als MS Betroffener zum Beispiel auf die Rucksacktour in Südostasien verzichten? Nicht unbedingt, wenn man klug und vorrausschauend handelt – d.h. sich im Vorfeld mit der Problematik beschäftigt und sich über Hilfsmöglichkeiten informiert. Und für den Fall des Falles kann man in der Reiseapotheke Kortison in Tablettenform mitführen. Mit ca. 40 mg Dexamethason/Tag kann man durchaus eine adäquate Schubtherapie mit Tabletten durchführen. Wir empfehlen zwar grundsätzlich eine intravenöse hochdosierte Kortisongabe zur Schubbehandlung, in einer solchen Sondersituation kann man aber auch mit einer oralen Therapie sein Ziel erreichen. Sprechen sie daher im Vorfeld einer solchen Reise mit ihrem Neurologen.

Man sollte natürlich auch nicht vergessen, im Urlaub seine Medikamente mitzuführen. Im Falle von Tablettenpräparaten ist das ja mittlerweile relativ einfach, Spritzenpräparate erfordern hingegen einen etwas größeren Aufwand. Hier sollten man bei Flugreisen an eine ärztliche Bescheinigung denken, um diese Medikamente (wegen der Nadeln) im Handgepäck mitführen zu dürfen. Bei längeren Reisen bzw. wenn man als Individualtourist (Rucksacktour) unterwegs ist kann eine solche Injektionstherapie ein Hindernis darstellen (man denke an die Menge von Glatirameracetat für 3 Wochen oder an die Erfordernis der Kühlung bei einigen Präparaten). Bevor man nun aber auch seine Therapie in Urlaub schickt – was nicht im Sinne einer konsequenten MS-Therapie ist – sollte man auch hier mit seinem Neurologen sprechen, wie man dieses Problem bereits im Vorfeld lösen kann und auch im Urlaub keine therapeutische Lücke entsteht. Unter Umständen kann man sogar eine Umstellung der Therapie in Erwägung ziehen.

Denken Sie daran, wenn Sie aus medizinischen Gründen ein Cannabis-Präparat benutzen (z.B. Sativex), eine ärztliche Bescheinigung mitzuführen. Es gibt Länder,  in denen bereits der Besitz von Cannabis schwer bestraft wird – man kann sich daher mit einer entsprechenden Bescheinigung eine Menge Ärger ersparen.

Eine weitere wichtige Frage ist, ob mit einer MS-Therapie Reisen in bestimmte Länder ausgeschlossen sind. Grundsätzlich stellen Europa und die USA kein Problem dar, bei exotischeren Zielen gibt es hingegen zwei Probleme: 1) es könnten Impfungen, wie z.B. Gelbfieber nötig sein, die bei MS-Patienten Probleme bereiten können 2) in ferneren Ländern könnte man u.U. mit Krankheitserregern konfrontiert werden, die unser Immunsystem nur unzureichend kennt und daher bei Behandlungen mit bestimmten Therapien unzureichend reagiert. Interferone oder Glatirameracetat stellen sicherlich kein Problem dar, bei Behandlung mit Fingolimod (Gilenya), Rituximab oder Alemtuzumab (Lemtrada) ist aber aus meiner Sicht Vorsicht geboten. Für Teriflunomid (Aubagio) und die Fumarsäure (Tecfidera) existieren zu wenig Erfahrungen, um hier ein Empfehlung auszusprechen.

Man sollte demnach auch als nicht eingeschränkter MS-Betroffener einige Dinge beim Reisen beachten, die Krankheit sollte aber nicht das Leben diktieren. Reisen eröffnet neue Horizonte und ist gut für die Lebensqualität – daher sollte man sich nicht zu sehr beirren lassen und versuchen seine Ziele realisieren – ein wenig Risikobereitschaft schadet auch nicht. Es schadet aber sicher nicht, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren und sich mit seinem Neurologen zu beraten. Dann steht einer erlebnisreichen Reise nichts im Wege.

Weiterlesen
Empfehlungen
20130421_Arztbilder_017_MRT_M. Mäurer_Johannes u. Maarit Kiefer

Natalizumab – was bedeutet der JCV-Antikörper-Index

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Ich bekomme in letzter Zeit häufiger Anfragen von Tysabri-Patienten (Wirkstoff Natalizumab), die sich Sorgen wegen eines hohen JCV-Antikörper-Index machen, der bei Ihnen gemessen wurde.  Daher möchte ich kurz erklären, was es mit dem Index auf sich hat, um MS-Patienten damit eine realistische Einschätzung dieses Wertes zu ermöglichen. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen
tabletten-weiss

Lymphozytopenie unter Tecfidera

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Dimethylfumarat (Tecfidera®)hat sich als Erstlinientherapie zur Behandlung der Multiplen Sklerose etabliert. Die Verfügbarkeit einer gut wirksamen oralen Therapie mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil hat die Möglichkeiten der MS Therapie erweitert. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen
MS erforschen_Studien 1

Eindrücke vom AAN-Kongress (3) – Klinische Studien

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Einen großen Raum auf der AAN nehmen die Präsentationen klinischer Studien zu neuen MS-Medikamenten ein. Etwas einschränkend muss man sagen, dass zum jetzigen Zeitpunkt wirkliche Neuigkeiten rar sind. Im wesentlichen wurden Auswertungen von Subgruppenanalysen und die Resultate von Langzeitextensionen klinischer Zulassungsstudien präsentiert. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Eindrücke vom AAN-Kongress (2) – Biomarker

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Bei der großen Auswahl an Medikamenten zur Therapie der MS stellt sich immer wieder die Frage, welches Medikament das individuell Richtige für den Erkrankten ist. Hier fehlen uns verlässliche Biomarker für eine Zuordnung. Unter dem Begriff Biomarker versteht man in der Regel einen Laborwert/Blutwert, dessen Größenordnung anzeigt, inwieweit ein Ansprechen auf ein Medikament zu erwarten und zu verzeichnen ist. Die Identifikation solcher Biomarker ist immer ein ganz wichtiges Thema auf Kongressen, und Ideen und Innovationen auf diesem Gebiet sind von großem Interesse. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen

Eindrücke vom AAN-Kongress – Risikofaktoren

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

In dieser Woche findet in Vancouver die Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) statt. Für Neurologen ist diese Tagung einer der wichtigsten Kongresse im Jahr, denn hier präsentieren Kliniker und Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt ihre neuesten und wichtigen Forschungsergebnisse. Die Multiple Sklerose als eines der häufigsten neurologischen Krankheitsbilder nimmt hierbei natürlich auch immer einen wichtigen Platz ein und wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. Ich möchte in den nächsten Tagen versuchen, ausgewählte Themen ein wenig zu beleuchten und einen kurzen Überblick zu geben, wobei die Auswahl bei der Fülle der präsentierten Arbeiten nur sehr beschränkt ist und natürlich auch eine subjektive Auswahl darstellt. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen
24. bis 26. Oktober, Stuttgart: 40 Jahre AMSEL, Jubiläumssymposium

Fatigue und MS

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

MS-Erkrankte leiden sehr häufig unter einer zum Teil sehr stark behindernden körperlichen und geistigen Erschöpfbarkeit, die im klinischen Alltag mit dem Begriff „Fatigue“ bezeichnet wird. Trotz ihrer Bedeutung für viele MS-Patienten ist die „Fatigue“ nicht gut definiert, was damit zusammenhängen mag, dass ihre Abgrenzung gegenüber „Einschränkungen der Kognition“ und der „Depression“ – ebenfalls zwei sehr häufige Symptome bei MS – im Einzelfall schwierig sein kann. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen
hand_altersflecke_636_docblog

MS und Alter

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

„Die Zeit spielt für Sie“ – das ist eine häufige Aussage, wenn bei älteren MS-Patienten Therapieentscheidungen anstehen. Wahrscheinlich muss ich jetzt erst einmal festlegen, was ältere MS-Patienten sind. Immunologisch betrachtet sind das MS-Patienten, die das 55. Lebensjahr überschritten haben. In diesem Zeitraum kommt es zu einer langsamen „Verschlechterung“ des Immunsystems – was wir als Immunoseneszenz (von lat. senescere = alt werden) bezeichnen. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen
Menschenmenge_636

Steigt die Zahl der MS Erkrankten?

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Wie viele sind es denn eigentlich? Es ist in der Tat eine spannende Frage, wie viele Menschen in der Bundesrepublik MS betroffen sind. Wenn man ein Lehrbuch zu Rate zieht,  steht da häufig eine Zahl von 120.000 Betroffenen. Das entspricht  in etwa einem Prävalenzwert von ca. 149 MS Erkrankten auf 100.000 Einwohner. Grundlage für diese Zahl ist eine Hochrechnung aus dem Jahr 2000, bei der eine repräsentative Befragung von Arztgruppen stattgefunden hat, die an der Versorgung von MS-Patienten beteiligt sind. Die Rücklaufquote der Fragebögen war bei den niedergelassenen Ärzten mit 18,5% eher niedrig. Daher muss man annehmen, dass die Datengrundlage dieser Erhebung wahrscheinlich nicht ausreichend verlässlich war. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen

Schubförmig oder chronisch progredient – weitere Informationen

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim

Ich habe mich gefreut, welches Interesse mein letzter Beitrag über die Verlaufsformen der MS hervorgerufen hat – der Artikel wurde ziemlich häufig geteilt und so viele Kommentare kurz nach der Online-Stellung gab es schon länger nicht mehr. Die Kommentare waren teilweise auch sehr emotional, woran man merkt, dass das Thema viele Betroffene bewegt. (mehr …)

Weiterlesen
Empfehlungen