Booster-Impfung (3. Impfung gegen SARS-CoV2)

Ich hätte mir sehr gewünscht, nicht mehr über diesen Themenkomplex schreiben zu müssen – aber die derzeitige Lage macht das Thema Impfung gegen COVID19 wieder sehr aktuell – und die Fragen von MS-Patienten zur richtigen Impfstrategie häufen sich.

Die aktuelle Infektionslage ist besorgniserregend, auch wenn sich die aktuellen Zahlen und die Situation nicht mit der Situation in der Vorweihnachtszeit 2020 vergleichen lassen, in der es noch keinen Impfschutz gab.

Auch wenn Bund und Länder gestern weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beschlossen haben, so glaube ich, dass uns nur konsequentes Impfen dem Ende der Pandemie und der Normalität näherbringen wird.

Unentschlossene sollten sich jetzt gegen SARS-CoV2 impfen lassen

Hier sind zwei unterschiedliche Vorgehensweisen zu berücksichtigen – zum einen, dass möglichst viele der noch Unentschlossenen so schnell wie möglich geimpft werden – und die verschärften Regeln werden manchen Mitbürger wahrscheinlich überzeugen, sich rasch impfen zu lassen. Dennoch werden sich viele Millionen Menschen in Deutschland – das hat die Erfahrung der letzten Monate gezeigt – nicht von der Sinnhaftigkeit der Impfung überzeugen lassen und daher auch weiterhin keinen effektiven Schutz vor einer krankmachenden Virusinfektion haben. In einem geringen Prozentsatz droht diesen Menschen ein Aufenthalt auf der Intensivstation oder sogar der Tod durch das Virus – aber auch ein geringer Prozentsatz kann bei einer großen Anzahl ungeimpfter Personen zum Problem werden, was wir gerade live erleben.

Daher gewinnt aus meiner Sicht eine andere Maßnahme eine überragende Bedeutung – nämlich die Auffrischungsimpfung derjenigen, die schon einen zweifachen Impfschutz erhalten haben –  die sog. Booster-Impfung oder 3. Impfung gegen SARS-CoV2.

3. Impfung lässt schwere Verläufe gegen Null gehen

Im renommierten Wissenschaftsjournal The Lancet sind am 29.10.2021 die Daten aus Israel zur dritten Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer publiziert worden (Barda N. et al. Lancet 2021 Oct 29: S0140-6736(21)02249-2). Diese Daten belegen eindeutig, dass die 3. Impfung in Bezug auf Krankenhausaufenthalte, schwere COVID19-Verläufe und Tod noch einmal einen signifikanten Unterschied gegenüber 2 Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer zeigt: Die Zahlen gehen nach der 3. Impfung nahezu gegen null. In dieser Klarheit war das Ergebnis dieser Studie vor einigen Monaten noch nicht zu erwarten – es hat meine Sichtweise zur 3. Impfung deutlich verändert und geschärft.

Ich war im Frühherbst noch nicht sicher, ob ich wirklich jedem eine 3. Impfung empfehlen würde – angesichts aktueller Infektionszahlen in Deutschland und der Erfahrungen aus Israel, die sich regelrecht aus einer weiteren Coronawelle „rausgeimpft“ haben. Ich würde jedem Deutschen, der dies will (und ich gehe mal davon aus, das sind alle, die bereits eine Impfung gegen SARS-CoV2 erhalten haben) eine Auffrischungsimpfung empfehlen.

Der große Wert dieser Strategie liegt in der Erkenntnis, dass auch Geimpfte sich infizieren können – das ist zum einen der Infektiosität der Delta-Variante geschuldet, zum anderen der Tatsache, dass die Schleimhautimmunität doch schneller abfällt als gehofft. Geimpfte werden zwar kaum mehr schwer krank und sind auch kürzer und weniger infektiös als Ungeimpfte, aber sie können dennoch das Virus übertragen und können damit Ungeimpfte infizieren und in eine gefährliche Situation bringen. Es ist zwar traurig, dass mit der Empfehlung zur 3. Impfung wieder den solidarischen und verantwortungsvollen Mitbürgern eine Bürde auferlegt, aber eine effektivere Strategie zum Brechen der 4. Welle gibt es wahrscheinlich nicht.

3. Impfung auch für alle unter MS-Therapie empfohlen

Für MS-Betroffene lassen sich aus dem Gesagten folgende Empfehlungen ableiten: Eine 3. Impfung ist grundsätzlich empfehlenswert und sie sollte möglichst bald erfolgen – das mit dem Mindestabstand von 6 Monaten zur 2. Impfung sollte man nicht so eng sehen, die Bayerische Landesregierung hat dies sogar bereits offiziell verlauten lassen, denn wir brauchen den zusätzlichen Impfschutz jetzt. (Es ist auch nicht gefährlich, die 3. Impfung mit einem kürzeren Abstand zu erhalten).

Diese Aussage gilt auch für alle Personen mit MS, die immuntherapeutisch behandelt werden und insbesondere für diejenigen, die eine B-Zell-Depletion (Ocrelizumab, Ofatumumab, Rituximab) oder einen S1P-Modulator (Fingolimod, Ozanimod, Siponimod, Ponesimod) erhalten – unter diesen Medikamenten ist ja nachweislich der Antikörperschutz von vornherein nicht ganz so gut. Es sei nochmals betont, dass die Impfung nicht gefährlich ist und auch per se keine Schübe auslöst, sie kann daher – insbesondere bei stabil behandelten Patienten – auch unter Therapie zu jedem Zeitpunkt gegeben werden. Bei Behandlung mit Ocrelizumab/Rituximab (6-monatliche Infusionen) eignet sich zwar besonders ein Zeitfenster von „3 Monate nach der letzten Infusion bis 2 Wochen vor der nächsten Infusion“, aber wenn das aktuell nicht möglich ist, so sollte man trotzdem impfen, oder seinen Neurologen mal fragen, ob man ggf. den Infusionstermin anpassen kann, eine Verschiebung um wenige Wochen ist möglich.

Trotz dieser generellen Empfehlungen ist selbstverständlich im individuellen Fall immer eine Rücksprache mit dem eigenen Neurologen sinnvoll.

8 Kommentare

  1. Hallo, ich habe als 1. Impfung Astra (keine Nebenwirkungen) bekommen, als 2. Moderna (1Tag Fieber und Abgeschlagenheit). Jetzt würde ich nach 6 Monaten gerne eine booster Impfung machen. Welcher Impfstoff würde am besten in Frage kommen, nochmal Moderna oder doch biontech?
    Hat jemand schon Erfahrungen?
    Ich bin mit Plegridy sehr stabil und habe seit Jahren keinen Schub mehr gehabt.

  2. Guten Tag! Wie verhält es sich, wenn eine an MS erkrankte Person (sehr milder Verlauf), die mit Ocrevus behandelt wird, zuerst doppelt geimpft ist und anschließend an Corona erkrankte? (Es gab nur Grippe Symptome.) Könnte die Ansteckung mit dem Virus auch hier als „natürliche Booster-Impfung“ angesehen werden? Danke und herzliche Grüße

  3. Als sich abzeichnete, dass die 4. Welle eine solche Dimension annehmen würde, habe ich mir umgehend bei meinem Hausarzt einen Termin für die Booster-Impfung geben lassen. Nachdem ich zweimal mit AstraZeneca geimpft wurde und am 10.11. d. J. die 6 Monate seit der Zweitimpfung „abgelaufen“ waren. Am kommenden Mittwoch (24.11.) bekomme ich nun meine Drittimpfung mit Biontech.
    Nachdem ich Anfang 2021 noch skeptisch den Impfungen gegenüberstand, Prof. Mäurer mich jedoch von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Impfung überzeugen konnte, gab und gibt es für mich jetzt bei der Drittimpfung keinen Grund mehr zu Zögern. Ich hoffe, die Nebenwirkungen sind genauso moderat und kurzfristig wie bei den ersten beiden Impfungen.
    Ich kann nur jedem empfehlen: Lasst Euch impfen!

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