Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

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Sport und MS

Ich habe eine ganze Anzahl von MS Patienten, bei denen ich davon überzeugt bin, dass ihre mangelnde körperliche und geistige Leitungsfähigkeit zu einem großen Teil auf mangelnde Fitness und darauf beruhende sekundäre Erkrankungen zurückzuführen ist.In der Tat bewegen wir uns in der Bundesrepublik viel zu wenig. Man geht nach aktuellen Statistiken davon aus, dass ca. ein Viertel aller Bundesbürger überhaupt keine zusätzliche körperliche Aktivität durchführt. Für MS-Kranke ist bekannt, dass sie sich im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung noch weniger bewegen. Auch aus diesem Grund dürfte die Rate für Übergewicht, Osteoporose und chronische Schmerzen bei MS-Betroffenen höher sein als in der Normalbevölkerung – und oft sind es solche Sekundärerkrankungen, die dann erheblichen Einfluss auf die Behinderung und die Lebensqualität von MS-Patienten haben.

Ich vertrete die Ansicht, dass Sport und Bewegung mit dem Ziel, eine möglichst große körperliche Fitness zu erlangen und zu erhalten, eine Grundbedingung dafür ist, mit der Erkrankung einigermaßen zurecht zu kommen. In der Regel profitieren MS-Patienten von umfangreicher sportlicher Betätigung. Herumgesprochen hat sich mittlerweile, dass Sport keinerlei negative Effekte auf die Erkrankung und ihre Symptome hat. Im Gegenteil, viele Symptome, die MS Patienten haben können, werden durch regelmäßige körperliche Aktivität eher abgemildert. Darüber hinaus scheint auch klar zu sein, dass Sport keine negativen immunologischen Auswirkungen hat – zumindest unterschied sich die Schubrate bei Sportlern und Nicht-Sportlern mit MS nicht signifikant.

Es gibt also keinen Grund, als MS-Erkrankter auf die rundherum positiven Aspekte von Sport und Bewegung zu verzichten. Manchmal kann die Freude an körperlicher Aktivität durch ein Uthoff Phänomen gebremst werden, aber das ist – wie schon einmal ausgeführt – nicht gefährlich, geht vorüber und bessert sich auch mit zunehmendem Trainingszustand. Interessant ist, dass man Sport auch gewisse immunmodulierende Aspekte zugesteht – aber ich glaube, erst einmal sollte das Ziel von Sport sein, die körperliche Fitness und damit die individuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Die Frage, die sich dann stellt, ist: Was ist der geeignete Sport für MS-Kranke? Diese Frage kann man eigentlich nicht beantworten – es sei denn man sagt, es ist der Sport, der Spaß macht und als angenehm empfunden wird. Wenn jemand überhaupt keine erkrankungsbedingten Einschränkungen hat,  kann er somit tun, was er will und was ihm Spaß macht. Sind Behinderungen vorhanden, sollte man Sportarten aussuchen, bei denen diese Behinderungen kompensiert werden. Beispiel: Aquajogging bei spastischer Beinparese oder Training auf dem Ergometer bei Sehstörungen.

Es ist gut, wenn eine gewisse Mischung zwischen Kraft- und Ausdauertraining erzielt wird. Krafttraining ist für MS Patienten gut geeignet, um die körperliche Fitness zu steigern. Man sollte aber,  insbesondere wenn Behinderungen vorliegen, unter kompetenter Anleitung trainieren – normale Fitness-Studios bieten eine solche Anleitung häufig nicht.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt von Sport ist, dass damit meist soziale Kontakte verbunden sind, die guttun. Auch aus diesem Grund ist Sport – inbesondere in der Gruppe für MS-Patienten von hohem Wert. Daher nenne ich Sport und Bewegung grundsätzlich immer, wenn ich nach zusätzlichen Konzepten zur Behandlung der MS gefragt werde. Es ist ohne Zweifel eines der effektivsten symptomatischen Konzepte, das wir als MS Therapeuten anbieten können.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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