MRT Kontrollen: Kopf oder Rückenmark?

Für die regelmäßige Kontrolle der Krankheitsaktivität spielt die Kernspintomographie ( Magnetresonanztomographie – MRT) für MS-Betroffene eine wichtige Rolle. Neben einem stabilen klinischen Verlauf ohne Schübe sollten auch keine neuen entzündlichen Herde bei den Kernspin-Kontrollen auftreten. Nun betrifft die Multiple Sklerose als entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark. Daher wären natürlich regelmäßige Kontrollen beider Teilregionen (Gehirn und Rückenmark) wünschenswert. Trotzdem wird in der klinischen Routine in der Regel nur der Befund des Gehirns kontrolliert und auf eine regelmäßige Bildgebung des Rückenmarks meistens verzichtet (es sei denn, es liegt von vornherein ein spinaler Schwerpunkt vor). Dieses Vorgehen stößt manchmal auf Unverständnis bei Patienten, die sich fragen, ob die Kontrolle des Gehirns wirklich für die Beurteilung ihres Krankheitsverlaufes ausreichend ist.

Welche Aussagekraft hat ein MRT des Gehirns

Dies ist tatsächlich eine absolut berechtigte Frage. Denn bei der Diagnosestellung ist sowohl die MRT-Untersuchung des Gehirns als auch die des Rückenmarks unter diagnostischen und differentialdiagnostischen Aspekten wichtig. Und aus rein medizinischer Sicht wäre es auch sinnvoll, die Aktivität in Gehirn und Rückenmark regelmäßig zu kontrollieren. Dies würde jedoch einen erheblichen Mehraufwand bedeuten, denn Gehirn und Rückenmark werden i.d.R nicht in der gleichen Sitzung abgebildet. Hinzu kommt, dass die Bildgebung des Rückenmarks alles andere als trivial ist und die Qualität von spinalen MRT-Untersuchungen teilweise schlecht ist – das kann mit Schluckartefakten zusammenhängen, aber auch wenn aus Zeitgründen mit großen Schichtdicken gearbeitet wird und die (wichtige) transversale Schichtführung entweder auf wenige Abschnitte beschränkt wird oder gänzlich fehlt. Zudem ist ein wirkliches spinales Monitoring aus meiner Sicht sowieso nur dann möglich, wenn grundsätzlich eine transversale Schichtung des gesamten Rückenmarks durchgeführt wird.

Außerdem fällt eine Aktivität im Rückenmark meist durch klinische Symptome auf, da symptomatische Regionen im Rückenmark wesentlich dichter zusammenliegen als im Gehirn. Somit kann man häufig angesichts eines stabilen klinischen Verlaufes rückschließen, dass keine Entzündungsaktivität im Rückenmark vorliegt.

Aufgrund dieser Gegebenheiten wird auf eine regelmäßige Kontroll-Bildgebung des Rückenmarks eher verzichtet und einer regelmäßigen Kontroll-Bildgebung des Gehirns der Vorzug gegeben. Nicht nur, weil die Bildgebung des Gehirns nicht selten Veränderungen aufweist, ohne dass die oder der Betroffene symptomatisch ist, sondern auch, weil die Bilder des Gehirns rein technisch einfacher zu vergleichen sind – vorausgesetzt es wurde eine entsprechende Re-Positionierung vorgenommen und dadurch vergleichbare Schichten wie bei der Voruntersuchung generiert. Die kraniale Kernspintomografie wird also „pars pro toto“ (der Teil für das Ganze) für die Verlaufskontrolle von MS-Patienten herangezogen – und das hat sich in der klinischen Praxis bewährt.

Da die Kernspintomographie weiterhin das wichtigste Instrument ist, um die Dynamik der Erkrankung abzuschätzen und den Erfolg einer Therapie zu bewerten, ist es manchmal bedrückend, wie wenig Energie bei der Durchführung und Bewertung der Aufnahmen aufgebracht wird. Es wäre schön, wenn sich Radiologen der großen Verantwortung bei der Mitbetreuung von MS-Patienten bewusst sind und sich bei der Durchführung der Aufnahmen an den wissenschaftlichen Konsens hinsichtlich Schichtführung, Sequenzen und Einsatz von Kontrastmitteln halten würden.

3 Kommentare

  1. In UKE wird bei unserem Fall jährlich ein MRT verlangt. Jedes zweite Mal mit Kontrastmittel.
    Ich hätte gerne mal solche Differenzbilder gesehen, wie man sie aus manchen Studien kennt. Das wurde aber bisher nie gemacht. Auch würde mich interessieren, ob jedes Mal das letzte und vorletzte Bild verglichen wird oder auch das jüngste mit dem ältesten. Denn so ein langsames Vergrößern ist ja vielleicht leicht übersehbar, wenn es jedes Jahr nur ein bisschen größer wird.

  2. Dem Artikel kann ich nur zustimmen. Bei mir wird auch nur nach dem Gehirn geschaut, meine Herde habe ich aber in der HWS. Zwar habe ich seit dem Wechsel von Copaxone auf Tecfidera seit mehr als einem Jahr keinen Schub mehr. Ganz symptomfrei bin ich aber auch nicht. Für mich heißt das, die MS ist noch aktiv. Bald habe ich einen Termin bei meiner Neurologin. Ich frage mich, ob und wie ich eine regelmäßige MRT meiner hws durchsetzen kann.

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