Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Forschung

Fake Science

Derzeit wird dieses Phänomen sowohl in den Printmedien als auch in diversen Politmagazinen im Fernsehen diskutiert. Erst neulich gab es in der ARD eine Reportage, die man in der Mediathek noch abrufen kann (https://www.tagesschau.de/inland/fakescience-101.html). Wirklich eine sehenswerte Dokumentation und wirklich unglaublich, was dort zu sehen und zu hören ist – ich bin jetzt noch fassungslos.

Ich verweise ja häufig in meinen Texten auf wissenschaftliche Studien – Studien sind für mich die Grundlage für einen vernünftigen Diskurs und für rationale Entscheidungen. Die Ergebnisse von Studien bestimmen, was Fakt ist und was eher in das Reich der Fantasie gehört. Das wissenschaftliche Experiment ist die Grundlage – wer nicht experimentell seine Behauptungen bewiesen hat – und zwar mit rechtschaffenen und transparenten Methoden – der sollte nicht mit Hypothesen an die Öffentlichkeit gehen.

Aber wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, dass in Zeiten von Donald Trump und Fake News „alternative Fakten“ auch die Wissenschaft „infizieren“. Mir wird übel, wenn ich sehe, wie findige Unternehmen gegen entsprechende Bezahlung Daten publizieren, die in keiner Weise auf Plausibilität überprüft wurden. Diese pseudowissenschaftlichen Verlage (häufig aus dem asiatischen Raum) missachten jede Grundlage der wissenschaftlichen Qualitätssicherung – jeder kann dort publizieren, was er will, egal, was für ein Schwachsinn es auch sein mag.

Warum Wissenschaftler, statt solche Entwicklungen strikt zu boykottieren, ihre Prinzipien verraten und diese Plattformen nutzen, kann ich nur schwer nachvollziehen. In jedem Fall untergräbt die Existenz solcher Pseudo-Journale das Vertrauen in eine unabhängige und seriöse Wissenschaft – und das wiederum nagt an den Grundfesten unserer Gesellschaft. Denn wie sollen Laien angesichts solcher Vorgänge noch vertrauen, dass die Wissenschaft eine Orientierung gibt, auf die man sich verlassen kann.

„Fake Science“ wird vor allem dann ein Problem, wenn es um Dinge geht, die eine hohe gesellschaftliche Relevanz besitzen – z.B. Studien zum Klimawandel oder zur Bedeutung von Rauchen für die Gesundheit. Wenn Interessengruppen sich mit Hilfe von pseudowissenschaftlichen Verlagen Glaubwürdigkeit kaufen können, um mit dieser Pseudowissenschaft Wahrheiten zu unterminieren, haben wir alle ein Problem.

Für den MS-DocBlog und seine darin enthaltenen Gesundheitsinformationen verbürge ich mich nochmals an dieser Stelle, dass ich mich nur auf Quellen und Studien beziehe, die unter den strengen Regeln der wissenschaftlichen Qualitätssicherung erstellt worden sind. Es ist mir ein absolutes Anliegen, dass sie hier an dieser Stelle Informationen finden, auf die sie sich verlassen können – sie müssen aber auch ertragen, dass ich Befunde, die nicht mit seriösen Methoden erstellt worden sind (s. Beitrag zum Coimbra-Protokoll) dafür kritisiere, so schön sie auch sein mögen …

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Meine Beiträge

10 Kommentare zu “Fake Science

  1. Hallo Herr Mäurer,

    es ist sehr nett von Ihnen, dass Sie diesen Artikel verfasst haben. Ich werde mir diese Seite komplett auf dem PC speichern, für später, als Beleg dafür, dass das Pharmamonopol für studienbasierte Behandlungsmethoden und Empfehlungen krachend Versagt hat und ersetzt gehört durch ein ganzheitliches patientenorientierteres System.
    Dieses Versagen des von Ihresgleichen eingesetzen Systems wird bald an den Tag treten und zwar wenn der überwiegende Teil von Autoimmunerkrankungen in naher Zukunft nach Coimbra behandelt werden. Spätestens dann werden Fragen gestellt… Fragen wie es zu einem solchen Versagen des Systems kommen konnte, sodass die Betroffenen selbst ihr Schicksal über das Internet in die Hand nehmen mussten und sich wirklich wirksame Therapien selbst organisieren mussten. Und da werden Ihre Beiträge hier viele Antworten über die Ursachen liefern, auch wenn Sie sie bis dahin gelöscht haben werden und Sie in einem anderen „Wirtschaftszweig“ untergekommen sind.

  2. Sehr geehrter Herr Prof. Mäurer,
    das Phänomen ist bekannt.
    Edward L. Bernays hat dieses in seinem Buch „Propaganda – die Kunst der Public Relations“ bereits 1928 beschrieben:
    „Der neue Verkäufer wird also Ärzte dazu anhalten, öffentlich zu verkünden, wie nahrhaft und gesund Speck sei. Weil er die seelische Abhängigkeit vieler Menschen von ihrem Arzt kennt, kann er mit der Gewissheit eines Naturgesetzes vorhersagen, dass sehr viele Menschen dem Rat ihres Arztes folgen werden.“
    Anders in der nachweisorientierten Medizin, wo mit aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien, Stichwort „Peer-Review“, der Nutzen einer medizinischen Maßnahme belegt oder aber auch widerlegt wird.
    Es war übrigens auch Bernays, der das schwer aussprechbare Wort „multiple Sklerose“ in das Akronym „MS“ umgewandelt und dadurch den Bekanntheitsgrad der Erkrankung enorm gesteigert hat. Ich schätze Ihre Konsequenz, mit welcher Sie diesen Blog mit Kommentarfunktion weiterführen.

    1. Schreiben Sie die Kommentare selber Herr Mäurer???? 😀 😀

      Wer liest denn diesen …. noch? Das kann man ja nicht mehr ernst nehmen.

      Wie die Trierer Informationsstelle schon meinte: der Blog gehört eingestellt!!

  3. Ein sehr wertvoller Beitrag, wie immer!

    Wie praktisch, dass es z.B Zinbryta durch die besagten qualitativen Methoden bis zu den Patient*innen geschafft hat. Einige sind nun zwar tot, aber die Ärzte die es verschrieben haben gehen natürlich straffrei weiterhin ihrer Tätigkeit nach – es gab ja qualitativ hochwertige Studien dazu und somit sind das auf keinen Fall „Fake News“. Super!

    Übrigens: gab es jemals eine Doppelblind-Studie über Fallschirmspringen? Irgendwie springen alle mit einem Fallschirm aus dem Flieger, aber solchen Menschen wie Ihnen mangelt es sicherlich an einem wissenschaftlichen Beweis. Vielleicht sollten Sie mal ohne Fallschirm springen um den besagten wissenschaftlichen Beweis der Wirksamkeit zu erbringen.

    Weiterhin gutes Gelingen wünsche ich, Sie setzen sich hier wirklich sehr gut für ihre Sponsoren ein. Von den mit dem Coimbra-Protokoll behandelten Patienten hat sich übrigens bisher niemand ins Jenseits verabschiedet, im Gegenteil.

    1. Bemerkenswert, dass dieses Coimbra-Protokoll eine derart große Lobby hat (siehe hunderte von Kommentaren zum Coimbra-Artikel). Mich macht dieses offensive Internetmarketing eher misstrauisch.

      1. weil es uns sooo viel besser geht, inklusive Remission der MS. Was will man mehr?
        über 3000 Patienten in Deutschland, weltweit mehr als 40.000! Und unsere Lobby wächst und wächst und wächst… 😀
        und auch Sie, Herr Mäurer, werden diese Entwicklung nicht aufhalten können 😛

  4. Sie beziehen sich nur auf Studien, die von der Pharmaindustrie finanziert werden, die Milliarden mit MS-Medikamenten verdienen!
    Bin nicht sicher, ob das der richtige Weg ist

    1. Bemerkenswert, dass dieses Coimbra-Protokoll eine derart große Lobby hat (siehe hunderte von Kommentaren zum Coimbra-Artikel). Mich macht dieses offensive Internetmarketing eher misstrauisch.

  5. Ein sehr guter Hinweis. Vielen Dank.

    Jedem sollte klar sein – wie fundiert bestimmte Informationen sind. Was diese bedeuten – mit welchen Implikationen. Insgesamt nicht einfach.

    Aus Patientensicht muss ich mich anschließen. Es ist entscheidend, wie man etwas beurteilt – und noch wichtiger: Welche Risiken man eingeht – respektive einzugehen bereit ist. Stichwort „Nebenwirkungen“. Denn diese sind IMMER da. Und wenn es „nur“ eine hohe Geldausgabe ist.

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