Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

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Grippeimfung – jetzt wäre eine gute Zeit…

Nach dem außergewöhnlichem Sommer 2018 beginnt jetzt doch unaufhaltsam die Herbst- und Winterzeit und dementsprechend steigt auch das Risiko für Infektions- und Erkältungskrankheiten. Insbesondere beginnt aber auch wieder die Zeit, in der das Risiko für eine saisonale Grippeerkrankung steigt.

Hier gilt es jetzt zu unterscheiden – ich spreche nicht von einem „harmlosen“ grippalen Infekt, der häufig auch ohne spezifische Therapie innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ausheilt, sondern von der „echten“ Grippeerkrankung. Das ist eine Infektion mit dem Influenza-Virus, der eine sehr schwerwiegende, manchmal auch lebensbedrohliche, hochfieberhafte Erkrankung verursachen kann. Insbesondere Patienten, die entweder aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, eine reduzierte Immunkompetenz haben, sind anfällig für Komplikationen dieser Infektionserkrankung. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass junge, ansonsten gesunde Menschen lebensbedrohlich erkranken.

Der Blick auf die Zahlen vom letzten Jahr stützt diese Aussagen. Im vergangenen Winter verlief die Grippewelle außergewöhnlich heftig. Laut Gesundheitsministerium wurden in Bayern mehr als 43.500 Influenza-Fälle gemeldet, so viele, wie nie zuvor – und es gab insgesamt 142 Grippetote – eine immense Zahl für eine Infektionserkrankung.

Aus diesem Grund empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO; sie ist das unabhängige Expertengremium, das die Impfempfehlungen für die Bundesrepublik Deutschland ausspricht) MS-Patienten eine Impfung gegen die saisonale Grippe . Aktuell fragen daher viele Patienten, ob sie sich gegen Grippe impfen lassen sollen bzw. ob sie sich angesichts der Multiplen Sklerose gegen Grippe impfen lassen dürfen.

Die Antwort auf beide Fragen ist ein eindeutiges „Ja“. Man sollte sich als MS-Patient impfen lassen, auch oder gerade wenn man spezifische Immuntherapeutika gegen die MS einnimmt. Für die meisten Medikamente existieren zudem ausreichende Daten, die zeigen, dass eine Influenza-Impfung auch unter Medikation erfolgreich durchgeführt werden kann.

Moderne Impfungen wie die Influenza-Impfung sind sehr sicher, obwohl natürlich bei Impfungen, wie bei jedem Medikament, auch Nebenwirkungen auftreten können – meist sind diese aber lokaler Natur und zeitlich begrenzt. Sie sind zudem viel weniger problematisch als die häufig schwerwiegenden Auswirkungen einer echten Grippeerkrankung – insbesondere für MS-Betroffene.

Leider existieren viele Mythen, die es nicht nur MS-Patienten schwer machen, sich in Bezug auf Impfungen ein realistisches Bild zu machen. Aber von meiner Seite ist die Empfehlung ganz klar: Die saisonale Grippeimpfung ist sinnvoll und der November gilt als idealer Monat, sich gegen Grippe impfen zu lassen – so ist gewährleistet, dass über die kritischen Monate ein ausreichender Schutz gewährt ist. Da das Grippevirus äußerst flexibel ist, sollte die Impfung jedes Jahr wiederholt werden.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Meine Beiträge

Ein Kommentar zu “Grippeimfung – jetzt wäre eine gute Zeit…

  1. Stimmt es, dass unter Ocrevus die Wirkung der Impfung bezweifelt wird und was ist mit anderen Immunsuppresiva? Vorm Lemtrada müssen sämtliche Impfungen vorhanden sein, was bringt dann die Grippeimpfung nur drei Monate nach einem Zyklus?

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