Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

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Was kann ich sonst noch machen …

Das ist eine Frage, die Patienten häufig stellen. Ihnen ist zwar klar, dass sie ein spezifisches MS-Medikament benötigen, aber meist besteht der Wunsch, noch etwas Zusätzliches zu tun – aus eigenem Antrieb und unter eigener Kontrolle. Hier werden dann Themen wie Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, bestimmte Diäten oder Trainingsprogramme nachgefragt.

Einen Überblick zu behalten, ist angesichts der Fülle der Angebote gar nicht so einfach. Denn neben den komplementären Anbietern im Internet beschäftigt sich mittlerweile auch die wissenschaftliche Medizin sehr intensiv mit diesen Themen und es gibt eine Fülle von Studien und Daten. Wenn man sich an alles halten würde, was irgendwo beschrieben und empfohlen wird, hätte man wahrscheinlich keine freie Minute mehr.

Die Frage ist daher, was sind Ende 2018 sinnvolle Empfehlungen, wenn man MS hat. Was sich ganz klar sagen lässt ist, dass Raucher schlechtere Karten haben. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man mit dem Rauchen aufhören. Raucher haben schwerere Schübe und einen schlechteren progressiven Krankheitsverlauf.

Es ist weiterhin unbestritten, dass körperliche Fitness die Hirngesundheit steigert und generell positive Auswirkungen auf die Lebensqualität hat. Zudem können durch Sport und Bewegung vielfältige Symptome der Erkrankung gelindert werden. Sport und Bewegung wirken zudem der Fettleibigkeit entgegen, die ebenfalls in den letzten Jahren als Risikofaktor bei MS identifiziert werden konnte.

Das Thema Ernährung ist so komplex wie nie zuvor – und angesichts der Komplexität ist es vielleicht das Beste, es sich hier so einfach wie möglich zu machen. Wahrscheinlich liegt derjenige richtig, der sich nach allgemeinen Grundsätzen gesund und bewusst ernährt. Ob der Effekt der „gesunden“ Ernährung nur über die Reduktion von Fettleibigkeit und Kontrolle von Begleiterkrankungen geht, oder ob es tatsächlich einzelne Inhaltsstoffe gibt, die spezifisch in die Pathogenese der MS eingreifen, ist derzeit Gegenstand umfangreicher Forschungsarbeiten. Ich glaube aber letztlich, dass es nicht den „einen“ wesentlichen Ernährungsbestandteil gibt – und daher würde ich auch von spezifischen Diäten – egal ob salzreduziert, Rohkost, Paleo, Ketodiäten usw. – abraten. Diese Strategien bergen immer die Gefahr einer zu einseitigen Ernährung und sind auch nicht immer und bei jedem der Lebensqualität zuträglich.

Die Blaupause für eine gesunde Ernährung ist aus meiner Sicht das, was gemeinhin als mediterrane Diät bezeichnet wird – sie ist schmackhaft, ausgewogen und berücksichtigt wesentliche medizinische Grundsätze, nicht nur im Hinblick auf neurologische Erkrankungen, sondern auch auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Letztlich stellt sich die Frage nach Vitamin D. Ich denke angesichts der Studienlage ist nichts gegen eine pragmatische Substitution von Vitamin D einzuwenden. Hierbei würde ich Dosen von ca. 2000 IE pro Tag oder eine Einmalgabe von 20.000 IE pro Woche empfehlen. Von Ultrahochdosis-Konzepten würde ich hingegen abraten. Auch ist es angesichts der fehlenden Evidenz wahrscheinlich nicht sinnvoll, zu viel Geld für diverse Nahrungsergänzungsmittel auszugeben. Letztlich scheint mir ein gewisses Maß an Gelassenheit im Hinblick auf die vielen Konzepte, die im Internet beworben und diskutiert werden, angebracht. Man sollte zudem nichts tun, was nicht zu seinem persönlichen Lebenskonzept passt.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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4 Kommentare zu “Was kann ich sonst noch machen …

  1. Guten Tag,
    würden Sie dann empfehlen diese Vitamin D-Dosis quasi dauerhaft einzunehmen oder sollte der Wert trotzdem kontrolliert werden?

  2. Vor 2 Tagen hat mir die Neurologin in München empfohlen, ich solle doch Vitamin D 3 einmal wöchentlich 20.000 IE einnehmen. Ich habe gleich ein Rezept für 50 Weichkapseln bekommen. Das ist fast ein ganzes Jahr!!!

    Vor 20 Jahren habe ich wegen der MS-Diagnose für 2 Jahre in Südspanien gelebt. Innerhalb weniger Monate hatten sich sämtliche bis dahin aufgetretenen Symptome vollkommen zurück gebildet. Ich war überzeugt, die MS war eine Fehldiagnose.

    Aus fam. Gründen musste ich nach Deutschland zurück. Nach 3 Monaten kam der 1. Schub, danach 3-4 Schübe jedes Jahr. Seit 2005 sek. progrediente MS und Rollstuhl.

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