Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Spritze_Impfung

Impfung gegen COVID 19 – die Lösung eines Problems, aber nicht für alle?!

Das Deutsche Ärzteblatt hat im Juli 2020 einen Artikel veröffentlicht, der mich aufhorchen ließ (Künftige-COVID-19-Impfung-Buerger-haben-Angst-vor-Nebenwirkungen). Demnach ist die Bereitschaft der Bürger in Europa, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen, sobald die Impfung vorliegt, in den vergangenen Monaten deutlich gesunken.

Die Impfbereitschaft gegen das Coronavirus sank in den befragten Ländern von 74 Prozent im April auf 68 Prozent zwei Monate später. Die größten Abnahmen waren in Italien mit minus 13 Prozent und Deutschland mit minus neun Prozent festzustellen. So gibt jeder fünfte in Deutschland an, sich nicht gegen Corona impfen lassen zu wollen – Hauptgrund dabei ist die Angst vor den Nebenwirkungen der Immunisierung.

Vor dem Hintergrund, dass wir uns alle wieder nach Normalität sehnen und eine Impfung uns diese Normalität zurückgeben wird, ist die Skepsis so vieler Menschen gegenüber einer COVID-19-Impfung bedenklich – insbesondere auch deshalb, weil die Anzahl der COVID-19 Impfskeptiker um so vieles größer ist, als die Zahl der Menschen, die grundsätzlich Impfungen radikal ablehnen.

In den meisten europäischen Ländern stellen nämlich radikale Impfgegner eine relativ kleine Gruppe von Personen dar – und von dieser Minderheit engagieren sich wiederum nur wenige aktiv und indem sie nicht nur die Impfung für sich selbst oder ihre Kinder, Freunde und Familie ablehnen, sondern sich auch bemühen, die breite Öffentlichkeit von Impfungen abzuhalten und Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens zu untergraben. Das Argumentationsmuster von Impfgegnern ist dabei relativ gleichförmig und vorhersehbar: Wissenschaftliche Beweise, die ihren Argumenten widersprechen, werden abgelehnt, es werden nur Ergebnisse berücksichtigt, die ihre Überzeugungen zu bestätigen scheinen (Bestätigungsvoreingenommenheit). Offene Diskussionen werden vermieden, stattdessen werden gegensätzliche Meinungen zensiert – und häufig werden persönliche Beleidigungen und rechtliche Maßnahmen verwendet, um Vertreter des wissenschaftlichen Konsens zum Schweigen zu bringen. (Ein Muster, das einem auch beim aktuellen Auftreten der „Corona-Querdenker“ begegnet).

Personen, die Impfstoffe radikal ablehnen, sind eine heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Gründen für ihre Verhaltensweisen. In den meisten Fällen ist es vergeblich, ihre Einstellung durch wissenschaftliche Argumente und Erkenntnisse verändern zu wollen. Ein großes Problem besteht aber darin, dass diese sehr kleine Gruppe radikaler Impfgegner einen negativen Einfluss auf eine relativ große Gruppe von Personen ausübt, die Impfungen zwar nicht grundsätzlich ablehnen, aber skeptisch sind –und diese Skepsis resultiert vor allem auf einem hohen Grad an Unsicherheit. Diese Menschen, die letztlich einer Impfung ambivalent gegenüberstehen, sind hingegen Argumenten gegenüber durchaus aufgeschlossen.

Leider bedient das Auftreten von radikalen Impfgegnern v.a. diese unentschiedenen Personen – und gerade in den Zeiten der großen Verunsicherung durch die Pandemie werden die Stimmen der radikalen Impfgegner durchaus wahrgenommen. Das hängt damit zusammen, dass Menschen eine Tendenz dazu haben, negativen Informationen mehr Glauben zu schenken als positiven Informationen. Die Fähigkeit zum rationalen Denken wird häufig und erfolgreich durch Narrative zerstört – eine emotionale Erzählung über einen Impfschaden bei einem Kind kann größeren Einfluss ausüben, als die Vermittlung von Daten zur geringen statistischen Evidenz von Impfschäden in der Allgemeinbevölkerung. Und schließlich fokussieren sich Menschen gerne auf Informationen, die ihre persönlichen Überzeugungen bestätigen statt sie in Frage zu stellen. Das dürfte der Hintergrund sein, warum derzeit so unerwartet viele Mitbürger einer möglichen COVID-19 Impfung kritisch gegenüberstehen.

Aus diesem Grund werden sich die nächsten Beiträge im MS-Docblog mit dem Thema „Impfen“ beschäftigen. Gegenrede ist in diesen Zeiten extrem wichtig und Wissen schützt gegen Unsicherheit. Die Artikel sollen unentschlossene Personen informieren und Skeptiker überzeugen. Vor allem aber soll das Wissen derjenigen gestärkt werden, die Impfungen aufgeschlossen gegenüberstehen. Sie sollen damit zur Gegenrede befähigt werden und in der Lage sein, ihrerseits Skeptiker zu überzeugen.

Das ist von großer Wichtigkeit, denn es gibt viele Menschen, die sich gerne durch eine Impfung vor COVID-19 schützen würden, aufgrund einer Grunderkrankung oder der Einnahme bestimmter Medikamente aber nicht geimpft werden können. Um diese Menschen wirksam zu schützen, braucht man nicht nur Menschen, die sich durch das Respektieren der Corona-Regeln solidarisch verhalten, sondern auch eine große Anzahl Menschen, die sich impfen lassen – auch um die zu schützen, die es selbst nicht können.

 

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Meine Beiträge

8 Kommentare zu “Impfung gegen COVID 19 – die Lösung eines Problems, aber nicht für alle?!

  1. Das klingt nach ordentlicher Propaganda, lieber Herr Verfasser,
    denn es ist so offensichtlich manipulativ geschrieben, dass Sie sich nicht mal die Mühe machen die selbst dargestellten Widersprüche zu glätten. Aber klar, was raus muss, muss raus.
    Sie schreiben bspw.:
    Zum einen ist es eine kleine Minderheit, zum anderen „werden (von kleinen dieser Munderheit) gegenläufige Meinungen zensiert“?!
    Wie bitte soll das gehen?
    Um zu zensieren, muss man Macht haben, mit öffentlich rechtlichen zusammen arbeiten oder in der Politik sein. Wie sollen das die Leute bitteschön anstellen, wenn sogar beim Covid Thema nur ab und an eine differenzierte Meinung anderer Experten (außer der allseits bekannten gleichgeschalteten treusten Staatsdiener) in den Medien hauchweise durchscheint?
    Es gibt so viele wunderbare Ärzte in Deutschland, die genau vor dem, wofür hier beworben wird, warnen und die in erster Linie an ihre Patienten und an die Menschen denken. Ein guter Arzt akzeptiert die Bedenken und Entscheidungen seiner Patienten, ohne sie gleich als umsolidarisch oder radikal zu nennen.
    Von oben herab Menschen abzustempeln und so undifferenziert positiv die bis dato nur negativ in den Medien weggekommene Impfung darzustellen (man bedenke die Unnützigkeit der Grippe-Impfung (siehe dazu eine gute Doku Odysso Reportage vom SWR) oder die fatalen Nebenwirkungen von der Schweinegrippe-Impfung, die damals ebenfall schnell aus dem Boden gestampft wurde und genau so schnell wieder verschwand) entspricht meiner Meinung nach, nicht der Art eines Arztes dem das Leitbild
    „primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare“, übersetzt „erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen“ etwas bedeutet.

  2. Ich bin kein Impfgegner, habe mich erst kürzlich gegen Masern impfen lassen. Aber ich werde mich auf gar keinen Fall gegen corona impfen lassen. Ich hatte noch nie die Grippe und habe mich auch noch nie dagegen impfen lassen. Bei der jährlichen Influenza sterben trotz Impfung mehr Menschen, als bei corona gestorben sind. Ich sehe keine Pandemie. Die zahlen der infizierten sind nur so hoch, weil getestet wird bis es kein Morgen gibt. Und trotzdem sind unsere Krankenhäuser leer Und ich denke, dass wird gemacht, weil die Regierung Zahlen braucht, um uns die Impfung als Allerheilmittel zu verkaufen. Sie sagen, es wird geforscht und es gibt freiwillige, die sich zu tests melden. Das ist ja schön und gut, aber wer sagt mir denn, wie es in 6 Jahren aussieht, was da für Nebenwirkungen kommen? Vielleicht leidet man da an Muskelschmerzen. Ich bin Schmerzpatient, ich weiß was Schmerzen sind, oder man bekommt Krebs. Das ist alles garnicht erforscht, bei der Schnelligkeit, wie der Impfstoff zusammengeschustert wird.

  3. Sie irren sich, Dr. Mäurer, es ist sogar noch ein viel grösserer Teil der Bevökerung, der sich nicht impfen lassen möchte und diese Menschen fragen sich zu Recht, warum, bevor es an die Produktion geht, nicht VORHER gefragt wird, wer das überhaupt möchte.
    Dr Wodarg, 2009 MdB, fragte schon 2009 in Zeiten der Schweingrippe, zu Recht, genau das, weil sich, nachdem sehr viele schwerwiegende Nebenwirkungen auftraten, Niemand mehr impfen lassen wollte.
    Hierbei handelt es sich um eine völlig neue Impfung, mRNA, sozusagen einen Menschenversuch, er soll im verkürzten Verfahren durchgewinkt werden und es wurde veröffentlich, dass die Hersteller bei entsprechenden Schäden nicht haftbar gemacht werden können.
    Würden Sie so etwas Ihrer älteren Mutter verabreichen?

    Und obendrein, schauen Sie auf den berühmten R Faktor des RKI, die Kurve ist seit Monaten um den Wert 0, die Zahlen, die ansteigen, gehen auf das Konto von vermehrten Testungen, es gibt kaum noch Todesfälle, Corona ist an 5. Stelle der Todesfallursache.
    Hören Sie mit Ihrer Panik auf!
    Diese Impfung will und braucht keiner!

  4. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Impfungen, sowohl meine Kinder als auch ich, sind gegen alles empfohlene geimpft. Jedoch möchte ich weder mich, noch meine Kinder gegen Corona impfen lassen, weil die Entwicklungszeit des Impfstoffs besorgniserregend kurz ist. Wo sonst die Entwicklung mehr als fünf Jahre, oft sogar an die 10 Jahre dauert, soll nun innerhalb von ein bis zwei Jahren ein sicherer Impfstoff entwickelt werden. Dieses beschleunigte Verfahren kann nur zulasten der Sicherheit gehen. Des Weiteren sind die Imfstoffentwickler darum bemüht, ihre Haftungsverantwortlichkeit im Falle von Impfschäden, vertraglich ausschließen zu lassen, eben genau wegen der überaus kurzen Entwicklungszeit und sehr kurzen klinischen Studien. Wenn also auch die Impfstoff Entwickler aufgrund des kurzen Verfahrens größere Risiken sehen, dann kann auch eine eventuelle, auf den Staat übergehende Haftung im Falle von Impfschäden, mein Vertrauen in einen Impfstoff nicht steigern.

  5. Die „Herdeimmunität“ hat es geschafft uns von bisher sehr leidvollen Krankheiten wie z. B. Polio zu erlösen, die nun leider aufgrund mangelnder Impfbereitschaft auch wieder in den Fokus rückt. Ich bin generell für Impfungen und habe auch bereits selbst einen in Deutschland aber in der Schweiz zugelassenen Impfstoff genutzt um mich auf einer Auslandsreise vor Japanischer Enzephalitis zu schützen. In den 60er und 70er Jahren war es für die Generation selbstverständlich sich impfen zu lassen und auch ich habe meine Kinder impfen lassen um sie und andere zu schützen.

  6. Mir ist noch nicht klar, ob es sich um einen Tot- Impfstoff oder Lebendimpfstoff ahndelt. Für MS-Krnake ist ein LI kontraproduktiv.

    1. Hier ein gute Übersicht der verschiedenen Impf-Ansätze:
      https://www.spektrum.de/news/acht-wege-zum-corona-impfstoff/1729652

      Hier wird gut beschrieben, welche Firmen welchen Ansatz verfolgen und wie schnell die Impfungen produziert werden können: https://www.spektrum.de/news/kann-die-welt-genuegend-impfstoff-herstellen/1728688

      Ich gehe davon aus, dass verschiedene Impfstoffe auf den Markt kommen, welche dann auch unterschiedlich gut für bestimmte Patientengruppen geeignet sein werden.

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