Zulassung von Ocrelizumab zur subkutanen Gabe

Ende April hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Zulassungsempfehlung für Ocrelizumab (OCREVUS®) in einer subkutanen (s.c.) Darreichungsform ausgesprochen. Wie für die bereits seit 2018 zugelassene intravenöse (i.v.) Darreichung gilt die Zulassungsempfehlung  für Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) und primär progredienter Multipler Sklerose (PPMS). Es ist zu erwarten, dass die s.c. Formulierung von Ocrelizumab um den Zeitpunkt des Erscheinens dieses Blog-Beitrags in den Apotheken verfügbar sein wird.

Die Zulassungsempfehlung beruht auf zum einen auf den Ergebnissen der Phase-Ib-Dosisfindungsstudie OCARINA I. In dieser Studie wurden 920 mg Ocrelizumab s.c. als „optimale“ Dosierung identifiziert. Die B-Zell Depletion mit 920 mg s.c. war vergleichbar mit der etablierten i.v. Gabe. Die Depletion erfolgte schnell und wurde gut toleriert, neue Sicherheitsbedenken ergaben sich nicht.

In der Folgestudie OCARINA II erwies sich die s.c.-Formulierung von OCREVUS über einen Zeitraum von 12 Wochen gegenüber der i.v.-Applikation als nicht unterlegen. Die Gabe von Ocrelizumab 920 mg s.c. führte in den ersten 12 Wochen zu einer ähnlichen Gesamtexposition wie Ocrelizumab 600 mg i.v., womit der primäre Studienendpunkt erfüllt war und die Nichtunterlegenheit der subkutanen Formulierung bewiesen werden konnte. Mit der s.c. Applikation von 920 mg konnte im weiteren Verlauf der Studie eine nahezu vollständige Unterdrückung der Krankheitsaktivität über 48 Wochen erreicht werden. Schubfrei blieben 97,2 % der Studienpatienten, die jährliche Schubrate (ARR) betrug 0,04 (= ein Schub in 25 Jahren). Somit stehen MS Betroffenen nun zwei vergleichbare Optionen zur Behandlung mit Ocrelizumab zur Verfügung.

Praktisch erfolgt die s.c. Injektion von Ocrelizumab ins Abdomen. Die Verabreichung erfolgt durch das medizinische Fachpersonal und dauert ca. 10 min.

Letztlich bedienen die OCARINA Studien mit ihren positiven Ergebnissen einen allgemeinen Trend weg von der intravenösen Gabe von Biologika hin zur subkutanen Gabe der Wirkstoffe. In anderen Fachdisziplinen wie der Dermatologie oder der Rheumatologie erfolgt die Gabe hochwirksamer Medikamente schon seit längerer Zeit vorwiegend subkutan. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass nun auch immer mehr hochwirksame MS-Medikamente als subkutane Formulierungen zur Verfügung stehen. So erfolgte vor einiger Zeit die Zulassung von subkutanem Natalizumab (Tysabri®), was von Patienten sehr gut angenommen wurde und nun steht auch der Antikörper Ocrelizumab als subkutane Formulierung zur Verfügung. Ofatumumab (Kesimpta®), ein ebenfalls gegen B-Zellen gerichteter Antikörper zur Behandlung der aktiven MS, wurde primär als subkutane Formulierung entwickelt.

Somit besteht sowohl aus anderen Indikationsgebieten als auch aus der Therapie der MS bereits Erfahrung mit der subkutanen Applikation, die damit nicht nur auf der Grundlage von Studienergebnissen sondern auch auf der Grundlage der praktischen Erfahrungen der i.v. Gabe nicht unterlegen ist.

Die subkutane Gabe hat unbestreitbare Vorteile. Auch wenn sie (wie bei Ocrelizumab) durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt wird, ist der Zeitvorteil immens. Das ist nicht nur für Patienten von Vorteil, die nun nicht mehr mehrere Stunden in der Infusionsambulanz verbringen müssen, sondern stellt auch wesentlich geringere logistische Anforderungen an das medizinische Fachpersonal. Das zeitaufwendige Legen einer Infusionsnadel entfällt, ebenso wie ein längerer Überwachungsaufwand. Auch der Platzbedarf in den Praxen und Kliniken wird geringer.

Somit ist die Verfügbarkeit von subkutanem Ocrelizumab eine gute Nachricht und verspricht praktische Vorteile. Schön ist, dass es gelungen ist mit der s.c. Formulierung ebenfalls ein therapiefreies Intervall von 6 Monaten beizubehalten. Aus meiner Erfahrung sind diese seltenen therapeutischen Interventionen nämlich ein echter Gewinn für die Lebensqualität unserer Patienten.

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