Ein Arzt erklärt einem MS-Patienten am Bildschirm MRT-Bilder des Gehirns.

Wissenschaftsleugnung

  • Wir leben in unruhigen Zeiten. Die Mitte unserer Gesellschaft spürt mittlerweile eine zunehmende Erosion demokratischer Prinzipien, die Zersetzung unserer Demokratie ist mittlerweile eine reale Gefahr. Die Gefährdung besteht neben Intoleranz, Homophobie, Rassismus und Antisemitismus auch in einer besorgniserregenden Leugnung wissenschaftlicher Fakten.

In einer funktionierenden Demokratie spielt Wissenschaft auf der Grundlage evidenzbasierter Erkenntnisse eine entscheidende Rolle, da sie die Grundlage für rationale politische Entscheidungen darstellt. Wissenschaftsleugnung hingegen bedeutet die Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und den bewussten Verzicht auf wissenschaftliche Methoden, um bestimmte Ideologien, Überzeugungen oder Interessen zu unterstützen. Daher stellt Wissenschaftsleugnung eine nicht zu unterschätzende Gefahr für demokratische Gesellschaften dar.

Nicht umsonst war Wissenschaftsleugnung ein charakteristisches Merkmal des nationalsozialistischen Regimes. Angefangen mit der Diskreditierung jüdischer Wissenschaftler über die pseudowissenschaftliche Rassenlehre, die zur Diskriminierung und Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft führte, bis hin zum Euthanasieprogramm, in dem Menschen mit „lebensunwerten“ körperlichen oder geistigen Behinderungen systematisch getötet wurden. Diese verheerende Verzerrung von Wissenschaft im dunkelsten Kapitel unserer jüngeren Geschichte unterstreicht die Notwendigkeit, Wissenschaft und Forschung von Ideologie zu trennen, ethische und wissenschaftliche Grundsätze zu befolgen und allen Ansätzen von Wissenschaftsleugnung entschieden entgegenzutreten.

Wodurch ist Wissenschaftsleugnung charakterisiert, was sind die typischen Merkmale?

  • Wissenschaftsleugner neigen dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse zu selektieren. Daten, die im Widerspruch zu ihren Überzeugungen stehen, werden abgelehnt. Hingegen werden selektiv Daten oder Studien ausgewählt (sog. Cherry-Picking von Daten), die ihre Position stützen und dabei andere relevante Informationen ignorieren.
  • Häufig werden (bei Cherry-Picking und selektiver Wahrnehmung) pseudowissenschaftliche Argumente oder Quellen verwendet, die den strengen Prüfungen und Standards der etablierten Wissenschaft nicht genügen.
  • Wissenschaftliche Methoden und Standards werden mit der Behauptung abgelehnt, sie seien nicht zuverlässig bzw. von einer vermeintlichen „Mainstream“-Wissenschaft manipuliert.
  • Wissenschaftsleugner versuchen, wissenschaftlichen Konsens als Argument gegen eine Theorie oder Hypothese zu verwenden, anstatt auf die zugrunde liegenden Beweise einzugehen. Hier ist dann auch ein fließender Übergang zu Verschwörungserzählungen zu beobachten.
  • Statt auf die wissenschaftlichen Argumente einzugehen, greifen manche Wissenschaftsleugner Personen an, die wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten vertreten, indem sie beispielsweise ihre Integrität oder Motivation in Frage stellen.

Gerade die persönlichen Angriffe gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben bedauerlicherweise zuletzt stark zugenommen – insbesondere, wenn sie sich zu emotional aufgeladenen Themen wie z.B. Klimawandel oder Impfungen äußern. In sozialen Netzwerken sehen sie sich massiven Verbalattacken ausgesetzt, nicht selten mit der Androhung körperlicher Gewalt. Eine solche Entwicklung ist absolut inakzeptabel.

Natürlich – das ist das Wesen der Wissenschaft – kann man wissenschaftliche Erkenntnisse kontrovers diskutieren – aber die Sachebene darf dabei nicht verlassen werden. Ich möchte daher dafür werben, Äußerungen zu wissenschaftlichen Sachthemen immer auch anhand der o.g. Kriterien zu überprüfen und sich klar gegen die Diskreditierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu positionieren.

Denn Wissenschaftsleugnung kann zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft führen, indem sie Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen oder Überzeugungen voneinander entfremdet. Dies kann zu einer fragmentierten Gesellschaft beitragen und die gemeinsame Grundlage für demokratische Diskussionen schwächen.

Natürlich gilt in einer Demokratie das Prinzip der Meinungsfreiheit. Jedoch sollte dies nicht dazu führen, dass Fakten ignoriert oder verzerrt werden. Der informierte öffentliche Dialog und die Anerkennung von evidenzbasierter Forschung sind entscheidend für das Funktionieren einer Demokratie und die Bewältigung der komplexen Herausforderungen unserer Gesellschaft.

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