Weiterentwicklung von Dimethylfumarat: Diroximelfumarat

Dimethylfumarat (DMF), besser bekannt unter seinem Handelsnamen Tecfidera®, ist ein MS- Medikament, das vor einigen Jahren mit großer Spannung erwartet wurde und bereits vor Zulassung mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Diesen Anfangshype habe ich zwar nie so ganz verstanden, aber für mich ist es trotzdem ein sehr wichtiges Medikament in der praktischen Anwendung. Es gilt wie Glatitrameracetat und Interferon-beta als Basistherapeutikum, hat aber (für viele Patienten) den großen Vorteil, dass es als Tablette eingenommen werden kann und nicht gespritzt werden muss.

Die Wirkung ist zudem gut – es gibt sogar mittlerweile Registerstudien, die Dimethylfumarat als ähnlich wirkstark einstufen wie den S1P Modulator Fingolimod, der ja (lt. aktuellen Therapieleitlinien) in Wirksamekeitskategorie 2 eingeordnet wird. Und es gibt einen weiteren Vorteil: Nicht selten haben Frauen mit MS einen Kinderwunsch. Man benötigt in einem solchen Fall Medikamente, die bei Eintritt einer Schwangerschaft keine Probleme bereiten. Dimethylfumarat besitzt zwar nicht wie Interferon-beta und Glatiramerazetat eine Zulassung während der Schwangerschaft. Es ist aber aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit trotzdem bei Frauen mit Kinderwunsch recht gut einsetzbar. Somit steht also mit Dimethylfumarat für Frauen mit Kinderwunsch ein gut wirksames Medikament zur Verfügung, das nicht injiziert werden muss – und das ist in der Praxis ein wichtiger Punkt.

Leider hat Dimethylfumarat zu Beginn der Einnahme nicht selten ein deutliches Verträglichkeitsproblem. Ungefähr 30% der Patienten klagen nach Einnahme über Magen-Darm Beschwerden, die sogenannten gastrointestinalen Nebenwirkungen (GI Nebenwirkungen). Diese sind zwar ungefährlich, aber manchmal so belastend, dass das Medikament abgesetzt werden muss, wenn alle Gegenmaßnahmen keine Erleichterung bringen. Das ist dann enttäuschend, insbesondere wenn man sich aufgrund der o.g. Vorteile aktiv für Dimethyfumarat entschieden hat.

Dimethylfumarat versus Diroximelfumarat

Dementsprechend ist die Zulassung von Diroxemelfumarat (Vumerity®) im November 2021 eine interessante Nachricht. Wie Dimethylfumarat ist auch Diroxemelfumarat eine sog. Prodrug (eine Medikamentenvorstufe), die im Körper in die eigentlich wirksame Substanz Monomethylfumarat (MMF) umgewandelt wird. Sowohl aus Dimethylfumarat (DMF) als auch durch Diroximelfumarat (DRF) entsteht durch Stoffwechselvorgänge das wirksame Monomethylfumarat, allerdings entstehen bei der Verstoffwechselung andere Metaboliten (Stoffwechselprodukte). Dieser Unterschied scheint dafür verantwortlich zu sein, dass Diroximelfumarat bei angenommen gleicher Wirksamkeit von MS- Patienten besser vertragen wird.

In der sog. EVOLVE-2 Studie (Naismith RT et. al. Diroximel Fumarate Demonstrates an Improved Gastrointestinal Tolerability Profile Compared with Dimethyl Fumarate in Patients with Relapsing-Remitting Multiple Sclerosis: Results from the Randomized, Double-Blind, Phase III EVOLVE-MS-2 Study CNS Drugs 2020; 34(2):185-196) wurden insgesamt 504 Patienten entweder mit DMF oder DRF behandelt. Der Studienzeitraum betrug 5 Wochen. Insgesamt zeigten sich bei der initialen Behandlung mit DRF weniger gastrointestinale Nebenwirkungen als bei Behandlungsbeginn mit DMF (34,8% vs. 49 %). Insgesamt brachen auch weniger DRF-Patienten die Behandlung ab (1,6% vs. 5,6%). Das sind zwar positive Ergebnisse, sie zeigen aber auch, dass das Problem der GI-Nebenwirkungen nach wie vor eine Rolle spielt. Auf jeden Fall geben die Ergebnisse aber Anhalt dafür, dass man bei schlechter Verträglichkeit von Dimethylfumarat durchaus eine Umstellung auf Diroximelfumarat versuchen sollte, bevor man das Behandlungskonzept komplett verlässt.

Die empfohlene Anfangsdosis von Diroximelfumarat beträgt 231 mg (eine Kapsel). Diese sollte nach Produktinformation zweimal täglich eingenommen werden. Nach sieben Tagen sollte die Dosis dann auf eine Erhaltungsdosis von 2 x täglich 462 mg (2 Kapseln) gesteigert werden. Auch bei Diroximelfumarat kann es ähnlich wie bei Dimethylfumarat sinnvoll sein, diese Aufdosierungsphase noch langsamer durchzuführen. Also erst nach vier Wochen die Erhaltungsdosis von 2 x 462 mg zu erreichen. Darüber hinaus empfiehlt sich auch bei Diroximelfumarat die Einnahme mit einer Mahlzeit zur besseren Verträglichkeit.

Anmerkung der Redaktion: Auf der AMSEL-Facebookseite kannst Du nachlesen, welche Erfahrungen andere MS-Betroffene mit Dimethylfumarat bezüglich Nebenwirkungen gemacht haben. Und was sie dagegen tun.

3 Kommentare

  1. >den großen Vorteil, dass es als Tablette eingenommen werden kann und nicht gespritzt werden muss.
    >das nicht injiziert werden muss – und das ist in der Praxis ein wichtiger Punkt.
    Was ist denn an der Tablette so vorteilhaft gegenüber der Injektion?

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