Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

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Vitamin D – einfache Lösung eines komplexen Problems?

Ich hatte vor einiger Zeit bereits über das Thema Vitamine geschrieben, Vitamin D aber bewusst ausgeklammert, weil es sich hierbei um eine eigenständige und mittlerweile sehr intensiv beforschte Thematik handelt. Es ist bekannt, dass MS eine Erkrankung ist, die vor allem in den Industrienationen der nördlichen Hemisphäre anzutreffen ist  -also in Regionen mit gemäßigtem Klima und relativ geringer Sonneneinstrahlung v.a. in den Wintermonaten. Je mehr man sich dem Äquator nähert, also den Ländern mit intensiver Sonneneinstrahlung, desto seltener wird die Erkrankung.

Eine Erklärung – sozusagen der missing link – könnte ein relativer Vitamin D Mangel sein. Denn Vitamin D wird durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet und die Spiegel dieses Vitamins sind tatsächlich bei den meisten Menschen in Nordeuropa und Nordamerika v.a. im Winter relativ niedrig. Vitamin D ist eine Substanz, die vielfältige immunregulatorische Eigenschaften besitzt, z.B. Einfluss auf die Produktion proinflammatorischer Botenstoffe, die Stimulation regulatorischer T-Lymphozyten oder die Produktion gewebsschädigender Substanzen durch Mikrogliazellen. Demnach gibt es vielfältige wissenschaftliche Anhaltspunkte, dass ein relativer Mangel an Vitamin D für Patienten mit einer Autoimmunerkrankung unvorteilhaft sein könnte.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch epidemiologische Studien und Assoziationsstudien, die einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und MS-Risiko herstellen konnten. So wurde in einer großen Studie bei Angehörigen der US Armee gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin D-Spiegeln und MS-Risiko bestand. Darüber hinaus existieren mehrere Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Vitamin D-Spiegel und dem Schweregrad der Erkrankung herstellen konnten – geringe Schubraten und ein niedrigerer Behinderungsgrad waren mit höheren Vitamin D Spiegeln assoziiert.

Solche Assoziationsstudien sind allerdings nicht in der Lage, die Richtung eines Effektes anzugeben.  Es ist demnach nicht gesagt, ob der niedrige Vitamin D-Spiegel die Behinderung bedingt, oder ob aufgrund der Behinderung der Vitamin D Spiegel niedrig ist (weil sich die betreffende Person z.B. aufgrund einer Behinderung weniger im Freien aufhält). Nichtsdestotrotz sind diese Daten so interessant, dass man derzeit weltweit Studien durchführt, mit denen der therapeutische Nutzen eine Vitamin D-Substitution bei MS genau untersucht wird.

Man müsste demnach eigentlich erst diese Ergebnisse abwarten, bevor man sich zur Rolle der Vitamin D-Substitution eine abschließende Meinung bildet. Auf der anderen Seite ist das Konzept interessant und eingängig und die Substitution von Vitamin D ist einfach, ungefährlich und kostengünstig. Daher empfehle ich auch jetzt schon MS Patienten, die sich für das Vitamin D-Konzept interessieren, v.a. im Winter Vitamin D zu substituieren. Pragmatisch ist z.B. die Einnahme von 2 – 4 D-Fluoretten (Kariesprophylaxe – entspricht 1000 – 2000 IE Vitamin D) pro Tag oder die einmal wöchentlich Einnahme von Dekristol (entspricht 20000 IE). Dabei sollte man aber auch nicht vergessen, dass es für die Vitamin D-Spiegel gut ist, sich viel im Freien aufzuhalten – 20 Minuten in der Sonne mit freiem Gesicht und freien Unterarmen macht ca. 10000 IE Vitamin D aus (daher haben Sportler auch höhere Vitamin D-Spiegel als inaktive Personen). Auch über die Nahrung kann man etwas nachsteuern – Fisch hat z.B. einen hohen Anteil an Vitamin D, aber häufig ist das alleine nicht ausreichend, um damit die gewünschten Spiegel zu erreichen.

Also letztlich keine große Sache, die ich auch medizinisch voll und ganz mittrage und unterstütze. Was mich in der Tat ärgert ist, dass sich dem ganzen Konzept mittlerweile schon wieder ein Überbau aufgesetzt hat, der teilweise alles andere als seriös ist. Da werden im Internet spezielle Vitamin D-Rezepturen vermarktet – zu total überhöhten Preisen. Es wird viel Geld für ständige Blutspiegel-Bestimmungen ausgegeben, obwohl noch gar nicht klar ist, ob das, was wir messen letztlich funktionell relevant ist. Und schließlich propagieren irgendwelche Gurus im Internet Hochdosistherapien, die überhaupt nicht validiert (und ggf. schädlich) sind und bei denen derzeit die Datenlage noch vollkommen unklar ist. Letztlich führt das auch in der Breite dazu, dass Druck auf MS-Erkrankte ausgeübt wird, man müsse dies oder das unbedingt machen, sonst würde man eine Chance verpassen. Diese Herangehensweise ist ärgerlich und stößt bei mir, zumindest bevor keine Studiendaten vorliegen, auf Ablehnung.

Aber, wie gesagt, gegen den oben beschriebenen pragmantischen Umgang mit Vitamin D bei MS ist auch aus „schulmedizinischer“ Sicht überhaupt nichts einzuwenden.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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5 Kommentare zu “Vitamin D – einfache Lösung eines komplexen Problems?

  1. Ich war schon schockiert wie letztens vom WDR ein Bericht eines Journalisten den ich früher als seriös einstufte, der Mensch ging davon aus man muss nur etwas in die Sonne gehen schon ist das mit dem Vitamin D gegessen.
    Wissenschaftliche Daten zum Winkel der Sonneneinstrahlung für die Bildung des Vitamin D in unsren Breitengraden wurden nicht gebracht. Es wurden keine Aussagen zu Normalwerten des Vitamin D gebracht auch keine Aussagen zum prozentualen Vitamin D Mangel in unsren Breitengraden. Man musste den Eindruck haben die Krankenkassen haben ihn infiltriert um Kosten zu sparen und das öffentlich rechtliche Fernsehen dazu mit genötigt. Tatsache ist doch das auch junge Menschen die täglich im Freien sind selbst im Sommer zum Teil erschreckend schlechte Vitamin D Spiegel haben , ganz davon abgesehen wie schlecht die Werte im Winter sind. Da lob ich mir öffentliche Hinweise zum Beispiel in Finnland im Fernsehen wo deutlich auf diese Problematik hingewiesen wird.
    Das jetzt auch schon unser Fernsehen Lobby betreibt ist erschreckend…………..

  2. Ich war schon schockiert wie letztens vom WDR ein Bericht eines Journalisten den ich früher als seriös einstufte, der Mensch ging davon aus man muss nur etwas in die Sonne gehen schon ist das mit dem Vitamin D gegessen.
    Wissenschaftliche Daten zum Winkel der Sonneneinstrahlung für die Bildung des Vitamin D in unsren Breitengraden wurden nicht gebracht. Es wurden keine Aussagen zu Normalwerten des Vitamin D gebracht auch keine Aussagen zum prozentualen Vitamin D Mangel in unsren Breitengraden. Man musste den Eindruck haben die Krankenkassen haben ihn infiltriert um Kosten zu sparen und das öffentlich rechtliche Fernsehen dazu mit genötigt. Tatsache ist doch das auch junge Menschen die täglich im Freien sind selbst im Sommer zum Teil erschreckend schlechte Vitamin D Spiegel haben , ganz davon abgesehen wie schlecht die Werte im Winter sind. Da lob ich mir öffentliche Hinweise zum Beispiel in Finnland im Fernsehen wo deutlich auf diese Problematik hingewiesen wird.
    Das jetzt auch schon unser Fernsehen Lobby betreibt ist erschreckend…………..

  3. Danke für diesen Artikel! Gut für alle zu wissen!
    Auch für unsere Kinder als Prophylaxe 😉
    Ich bin auch eher für Vigantoletten 1000IE oder Vigantol, die ölige Variante, 1-3 Tropfen (hier ist zur besseren Aufnahme, eines fettlöslichen Vitamins, gleich das Öl dabei)

  4. Ich schließe mich gewissermaßen Anonymous an, da für mich die Variante mit den Flouretten im Widerspruch steht. Der Artikel selbst sehr interessant und informativ.
    Vielen Dank.
    Ich nehme nun seit 2 Monaten Vigantoletten und muss sagen, dass es mir wesentlich besser geht. Mit einem so positiven Ergebnis hatte ich keineswegs gerechnet. Bin sehr überrascht.,

  5. Ich wundere mich ein wenig, dass sie als Substitut D-Fluoretten vorschlagen. Gerade beim Fluorid gibt es ja schnell die Möglichkeit der Überdosierung. Vigantoletten (mit 500 IE und 1000 IE erhätlich) sind doch da die bessere Variante?
    Ansonsten danke ich Ihnen für den interessanten Artikel!

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