Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Schwangerschaft und Multiple Sklerose

Schwangerschaft unter Therapie mit Tysabri – wie kann man vorgehen?

Ich hatte im Rahmen dieses Blogs schon einmal über das Thema Schwangerschaft bei Frauen mit milder/moderater MS geschrieben. Dabei hatte ich Frauen mit hochaktiver MS ausgespart – also explizit  auch Frauen, die mit Tysabri (Wirkstoff Natalizumab) behandelt werden. Daher möchte ich mich jetzt mit Überlegungen zu diesem Thema befassen.
Patienten, die heutzutage Tysabri erhalten, benötigen dieses Medikament aufgrund einer aktiven Erkrankung. Solange die Therapie angewendet wird, ist die Erkrankung in der Regel gut kontrolliert, setzt man das Medikament ab, ist ab dem 3. Monat nach Absetzen mit einer Rückkehr der Krankheitsaktivität zu rechnen – im Einzelfall mit ganz erheblichen Folgen für den Betroffenen.
Daher wird Patientinnen, die mit Natalizumab behandelt werden und schwanger werden wollen, schon seit einiger Zeit geraten, das Medikament nicht vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen, sondern das Medikament in jedem Fall bis zum Eintritt der Schwangerschaft beizubehalten. Da die Schwangerschaft selbst im 2. und 3. Drittel eine Schutzwirkung gegen die entzündliche Aktivität der Erkrankung hat, hat man die Gabe bis zum Eintritt der Schwangerschaft in der Vergangenheit für ausreichend gehalten und nur in wenigen Ausnahmefällen die Therapie während der Schwangerschaft fortgesetzt. Aus der klinischen Erfahrung wissen wir aber, dass die Schutzwirkung der Schwangerschaft insbesondere bei hochaktiven MS-Fällen oftmals nicht ausreichend ist und dann doch Schübe während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung auftreten, die mit einem Risiko für bleibende Schäden behaftet sind.
Daher ist man in letzter Zeit dazu übergegangen, Frauen mit hochaktiver MS die Weiterbehandlung mit  Natalizumab auch während der Schwangerschaft zu empfehlen, wohlwissend, dass die Substanz Placenta-gängig ist und damit auch das ungeborene Kind exponiert wird. Man schätzt das Risiko einer solchen Exposition allerdings geringer ein, als das Risiko für die unbehandelte MS-Patientin, ohne den Schutz des Medikamentes Schübe und bleibende neurologische Defizite zu erleiden.
Es wird derzeit folgendes Procedere propagiert, das darauf ausgerichtet ist, die Risiken für Mutter und Kind möglichst niedrig zu halten: Demnach soll Natalizumab bis zur 24. -30. Schwangerschaftswoche weitergegeben werden, allerdings in 6-wöchentlichen Intervallen (im wesentlichen, um die Exposition des Fetus zu minimieren). Im letzten Drittel der Schwangerschaft wird dann auf die Natalizumabgabe verzichtet – eine Wiederaufnahme der Therapie direkt nach der Entbindung wird aber angestrebt, was dann auch mit der Empfehlung zum Abstillen verbunden ist. Tysabri geht in einer gewissen Konzentration in die Muttermilch über und wird daher auch vom Kind aufgenommen. Es ist zwar äußerst fraglich, ob dies wirklich ein Problem für das Neugeborene darstellt, aufgrund des unreifen Darms eines Neugeborenen ist diese Vorsichtsmaßnahme aber in jedem Fall gerechtfertigt. Und bei dieser Gesamtkonstellation treten – mit Blick auf die Mutter – die Vorteile des Stillens für das Neugeborene in den Hintergrund.
Frauen, die mit Tysabri behandelt werden und schwanger werden wollen, sollten die möglichen Strategien in jedem Fall im Vorfeld mit ihrem Neurologen besprechen und einen klaren Fahrplan für die Schwangerschaft festlegen.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Meine Beiträge

13 Kommentare zu “Schwangerschaft unter Therapie mit Tysabri – wie kann man vorgehen?

  1. Ich bin türkisch und ich habe mit Fruchtbarkeitsproblem gelebt, niemals in der Lage, eine Schwangerschaft im Alter von 32 Jahren zu erreichen, und war sehr deprimiert und frustriert. Ich habe alle Sachen getan, um schwanger zu werden, aber alles umsonst, ich habe herausgefunden, dass ich einige Zellen habe, die eingefroren sind und meinen Zervix blockieren, als Folge von vor-Krebs-Zustand und Tubal-Blöcken. Ich ging um mein Leben zu leben, zu reisen, zu lernen, niemals zu erkennen, dass meine Fruchtbarkeit schwach war, immer zuversichtlich, dass ich Kinder in jedem Alter haben könnte, dass ich niemals ein Kind haben könnte, glücklicherweise hat ein Freund mich an einen Arzt namens dr khalija gerichtet Die mir helfen mit Fruchtbarkeit pflanzliche Ergänzung, die ich nahm und nach überraschend wurde ich schwanger und jetzt bin ich eine Mutter von Zwillingen, Wenn Sie in der gleichen Situation sind und Sie brauchen Hilfe können Sie Dr. Khalija kontaktieren, kann er in einem Lose Problem wie helfen . Kräuter, um gebären leicht zu geben, hoffe, Sie finden diese Informationen nützlich spiritualdoctorkhalija@yahoo.com

  2. Was sind den die Auswirkungen von Tysabri auf das ungeborene Kind? Scheidet es die Substanz aus? Gibt es Langzeitstudien über die Entwicklung von Kindern, deren Mutter in der Schwangerschaft Tysabri bekommen hat? Warum ist die 30. Woche die Dealine? Und weshalb sollte die Infusion alle sechs Wochen gegeben werden?

  3. Mit Hilfe von einem Mann namens Dr.Addo ich war in der Lage, obwohl seine Wurzel und Kräuter, schwanger zu werden. Ich bin 47 Jahre alt, war es wirklich schwierig für mich schwanger, obwohl mein Mann liebt mich, aber es war wirklich verletzt mich nicht mein eigenes Kind zu haben, aber nach vielen Jahren stieß ich auf Dr.Addo, deren E-Mail-Adresse ist ( addosolution@gmail. com ) gab er mir Root und Kräuter, und ich war eine Woche, nachdem ich seine Hilfe schwanger. Ich bin 7 Monate jetzt schwanger und auch wird Ich mag jeder der Suche nach Hilfe zu beraten, um schwanger zu diesen sehr Mann über seine E-Mail-Adresse zu kontaktieren: ( addosolution@gmail. com )

  4. Mit wie vielen Angehörigen von langjährigen MS Patienten haben sie schon gesprochen?
    Haben sich von denen erzählen lassen, wie grausam es ist, den langsamen Verfall eines Betroffenen mitzuerleben. Zu sehen, wie derjenige immer unselbständiger wird, auf immer mehr Hilfe angewiesen ist. Eine langsame aber stetige Rückentwicklung einsetzt.

    Und das wollen sie einem Kind zumuten?

    Können Sie sich in etwa vorstellen, wie sich ein Teenager fühlt, der seinen Vater im Rollstuhl vor sich herschieben muss? Wie schwer es einer volljährigen Tochter fällt, von zu Hause auszuziehen und die Mutter komplett den Pflegeverbänden zu überlassen?
    Was es für einen Grundschüler bedeutet, seiner Mutter beim Duschen und Anziehen zu helfen, während die anderen Kinder draußen spielen?

    Ich hoffe, dass Sie sich jetzt vielleicht im zweiten Anlauf mal diesen Artikel zu Gemüte führen:
    http://www.zeit.de/2009/46/M-Pflegende-Kinde

    Würden Sie ihrem eigenen Kind eine MS kranke Mutter zumuten? Eine schwerkranke Frau, mit einer chronisch, fortschreitenden Erkrankung, die unheilbar ist? Möchten Sie nicht auch, dass ihr Kind die besten (Start-) Bedingungen für ein möglichst unbeschwertes, sorgenfreies, glückliches Leben hat?

    Wie schon in einem Ihrer früheren Artikel zum Thema Schwangerschaft, wird auch diesmal das Vererbungsrisiko – von dem man heutzutage unstrittig weiß, dass es besteht – komplett verschwiegen.

    Lauert in der Ärzteschaft etwa die Angst, dass der Nachschub ausbleiben könnte?

    Würden Sie die gleichen Artikel zum Thema Schwangerschaft bei MS (egal ob „milder“ oder aktiver Verlauf) veröffentlichen, wenn man Sie für das Geschriebene haftbar machen könnte?

    Ich hoffe inständig, dass Sie dieses leidige Thema in Zukunft ruhen lassen. Man muss auch erkennen können, wann man seine Kompetenz überschreitet.
    Sie mögen vielleicht ganz brillant im medizinischen Bereich sein, das kann ich nicht beurteilen.
    Aber als Lebensberater und Pädagoge sind Sie ganz lausig.

    Und das kann ich beurteilen, glauben Sie mir.

    Hellblau

    1. Hallo Hellblau,
      da scheint Ihre persönliche Erfahrung Ihr Urteilsvermögen zu beeinträchtigen. Wie kommen Sie darauf, jemand anderem seine Lebensentscheidung abnehmen zu wollen? Ihre Sichtweise, wie man als „Lebensberater“ und „Pädagoge“ handeln sollte, ist gerade im Hinblick auf den heutigen wissenschaftlichen Stand veraltet und voreingenommen. Es tut mir leid, wenn es Ihnen so ergangen ist, aber Sie wissen vieles nicht.
      Das kann ich beurteilen, glauben Sie mir.

      Dunkelblau

    1. blödsinn….

      Meine Tochter (21) hat man geraten es abzusetzen, da war sie in der 6. SW.
      In der 22. SW hat sie einen extremen Schub. Innerhalb von 48 Stunden war sie – bis auf die rechte Hand – komplett gelehmt.
      In der 23. SW nahm sie wieder Tysabri, war in der Reha und hat wieder alles gelernt.
      Am 27. Mai 2015 kam mein Enkel zu Welt – normale Entbindung sogar ohne PDA – und es geht ihm sehr gut und meiner Tochter auch. Bis jetzt keine weiteren folgen und der kleine ist in der Entwicklung genauso wie andere in seinem Alter.
      Er isst seit dem 4. Monat normal vom Tisch mit; ist sehr Mobil und krabbelt fast; Mama, Papa und jaja kann er auch schon sagen. Kein Schreikind, es sei denn er will was unbedingt ;-). Mittlerweile zieht er sich hoch, weil er ungebingt stehen will. Er liebt Musik und ist ein Schmuser. Ein kleiner, wie man sich jedes Baby wünscht.

      Inzwischen haben wir noch eine Mama kennengelernt, der kleine ist erst ein paar Wochen alt, die Tysabri die gesammte Schwangerschaft genommen hat. Auch sie und ihr Baby haben kleinerlei Probleme.

  5. Hallo Doc,

    ich bin irritiert und zitiere mal was mich hier tierisch nervt:

    „schon seit einiger Zeit geraten,“
    „Daher ist man in letzter Zeit dazu übergegangen“
    „Man schätzt das Risiko einer solchen Exposition allerdings geringer ein“
    „Es wird derzeit folgendes Procedere propagiert“

    Ich fragte mich sofort, wer rät, wer ist man und wer ist dieser „Es“ der etwas propagiert.

    Gibt es irgendeine Quelle, eine Studie oder Statistik die solche Risiken für unsere zukünftigen potenziellen Steuerzahler rechtfertigen oder sind das nur schöne Geschichten um das eigene Handeln in der täglichen Praxis zu rechfertigen?

    Grüße,
    Faxe

  6. ich habe bis zur Schwangerschaft auch Tzsabri bekommen aufgrund sehr aktiver und kraeftiger MS… in der ersten Schwangerschaftswoche habe ich noch einmal unwissentlich bekommen… dann aber sofort abgesetzt… ich bin nun in der 34. Woche und mir ging es seit Jahren nicht so gut wie nun in der Schwangerschaft… ich möchte auch versuchen zu stillen… solange die MS ruhig bleibt ist es ja das Beste fuer die Kleine..
    Dazu erwaehnt lebe ich in in Norwegen. hier sehen die Aerzte oft die Dinge ein bischen anders…. aber ich halte mich gerne an deutsche Studien…

  7. Sehr interessanter Artikel! Gerne überall geteilt.
    Ich selbst habe über drei Jahre Tysabri infundiert, aber ich hatte schon meine Kinder und musste mich zum Glück mit diesen Fragen nicht auseinander setzen. Denn MS und Schwangerschaft ist kein leichtes Thema, bekomme es gerade im Bekanntenkreis mit.
    Viele Grüße
    Caroline Régnard-Mayer

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