Piercings und MRT-Untersuchung

Die Magnetresonanztomographie (MRT, umgangssprachlich „Kernspin“) ist die wichtigste diagnostische Maßnahme bei der Multiplen Sklerose, sowohl bei der Diagnosestellung als auch im Verlauf der Erkrankung. Metallteile wie Piercings müssen vor einer MRT-Untersuchung entfernt werden.Wie funktioniert ein MRT? Vereinfacht gesagt, werden bei der MRT-Untersuchung die Bilder durch Anregung von Wassermolekülen in einem starken Magnetfeld generiert. Im Gegensatz zu Röntgenverfahren wie der Computertomografie geht dies nicht mit einer Strahlenbelastung einher. Trotzdem ist eine MRT-Untersuchung während der Schwangerschaft nicht empfohlen, auch wenn bisher keine schädlichen Effekte nachgewiesen werden konnten. Eine weitere Einschränkung: MRT-Geräte sind sehr eng und die Untersuchung sehr laut, so dass Patienten mit „Platzangst“ Probleme bekommen können. Hier ist dann häufig eine Prämedikation mit einem Beruhigungsmittel (Benzodiazepin) hilfreich. Eine Alternative stellen auch sog. offene MRT-Scanner dar, allerdings ist ihre Bildqualität im Vergleich mit der Bildqualität geschlossener Geräte schlechter.

Tausendfach stärkeres Magnetfeld als das der Erde

Damit man Bilder mit Hilfe von Magnetfeldern erstellen kann, sind sehr starke Magnetfelder notwendig. Die Flussdichte eines Magnetfeldes wird in Tesla (T) angegeben. Benannt nach dem genialen Physiker und Elektroingenieur Nikola Tesla, der von 1856 – 1943 gelebt hat und auf den zahlreiche Erfindungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik zurückgehen. Standard-MRT-Geräte in Kliniken und Praxen haben meist Feldstärken von 1,5 T bis 3 T. D.h., das Magnetfeld eines Kernspintomographen ist ca. 30.000 – 60.000-mal stärker ist als das Magnetfeld der Erde. Es wirken demnach so erhebliche magnetische Kräfte, dass selbst schwere Metallgegenstände unweigerlich in das Magnetfeld gezogen werden können. Tatsächlich wurden durch Unachtsamkeit bereits schwere Beschädigung der Geräte und im schlimmsten Fall Personenschäden verursacht.

Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass eine MRT-Untersuchung nicht durchgeführt werden sollte, wenn Patienten Metallteile, zu denen auch Piercings zählen, im Körper haben. Diese Einschränkung gilt mittlerweile nicht mehr für Gelenkimplantate – die werden seit den späten 80zigern aus MRT-fähigem Materialien hergestellt. Die Einschränkung gilt aber weiterhin für Patienten mit Herzschrittmacher oder implantierbaren Kardiodefibrillatoren, Cochleaimplantaten oder fest implantierte Medikamentenpumpen. Zwar sind auch hier die modernen Geräte MRT-gängig, allerdings muss eine Untersuchung immer vorher mit dem zuständigen Facharzt abgeklärt werden. Denn auch die MRT-fähigen Geräte müssen vor der Untersuchung abgeschaltet und nach der Untersuchung wieder neu programmiert werden. Es bedeutet also einen erheblichen Aufwand. Auch Metallsplitter im Auge oder ein magnetisch fixierter Zahnersatz stellen eine Kontraindikation für die Durchführung eines MRT dar.

Metallteile im Körper bei MRT

Dementsprechend ist es klar, dass aus Sicherheitsgründen vor einer MRT-Untersuchung auch jeglicher Körperschmuck aus Metall, also jegliches Piercing, entfernt werden muss. Denn es können nicht nur Artefakte hervorgerufen werden, sondern es besteht auch die Möglichkeit, dass sich Teile erwärmen und Verbrennungen hervorrufen. Problematisch ist dies bei nicht entfernbarem oder schwer entfernbaren Piercings (dermal anchor, Genitalpiercing). Hier kann der Radiologe die Untersuchung verweigern, bzw. es müsste eine sorgfältige Nutzen-Risiko Abwägung stattfinden. Die Frage, ob ein Piercing belassen werden kann, wenn die MRT-Untersuchung in einer anderen Körperregion stattfindet (z.B. Frage nach Entfernung eines Bauchnabelpiercings bei Kopf-MRT) ist zwar nachvollziehbar, aber aus Sicherheitserwägungen sollte das Piercing eigentlich immer abgelegt werden. Letztlich kommt es auch darauf an, wie gelassen die radiologische Praxis/Klinikabteilung das Thema Körperschmuck/Piercing betrachtet.

In jedem Fall sollten MS-Patienten das MRT bedenken, wenn sie entscheiden, wo und an welchen Stellen sie sich welche Art von Piercing zulegen. Regelmäßige MRT-Aufnahmen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Verlaufskontrolle und geben wichtige Hinweise im Hinblick auf das Therapieansprechen.

Ein Kommentar

  1. Herzlichen Dank für den interessanten Artikel! Ich war zur Verlaufskontrolle meiner, seit über 25 Jahre bestehenden, MS gerade diese Woche wieder bei der MRT-Untersuchung. Auch Dank meiner Neurologin bin ich sehr gut mit Medikamenten eingestellt und hatte glücklicherweise meinen letzten Schub im Dezember 2019.
    Ich kann jedem nur empfehlen, diese Untersuchung aus im Beitrag genannten Gründen durchführen zu lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.