Wer schon länger bei DocBlog unterwegs ist weiß: Herbstzeit ist Kongresszeit. Wie immer zu dieser Zeit fand auch dieses Jahr wieder das weltweit größte MS Meeting statt – fast 10.000 MS Experten aus allen Teilen der Welt haben Ende letzter Woche am Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) in Barcelona teilgenommen. Und sich über Neuigkeiten zur Multiplen Sklerose und verwandten Erkrankungen ausgetauscht.
Wie jedes Jahr möchte ich ein paar ausgewählte Neuigkeiten aus der großen Menge an Informationen herausgreifen und mit Ihnen teilen. Tatsächlich waren es im Gegensatz zum letzten Jahr, als mit den ersten positiven Ergebnissen von BTKi-Studien und den neuen Diagnosekriterien zwei ganz wesentliche Neuerungen präsentiert wurden, in diesem Jahr nicht die ganz großen Themen, die besprochen wurden. Dennoch gab es einige interessante Studienergebnisse, die vor allem in der Sitzung mit den „late breaking news“ vorgestellt wurden.
Ocrelizumab bei älteren und schwer von MS Betroffenen
Zu nennen wäre hier als die sog. ORATORIO-Hand Studie, eine Phase IIIb Studie, die bei primär chronisch progredienter MS (PPMS) die Wirkung von Ocrelizumab auf die Handfunktion untersucht hat. Im Vergleich zur ORATORIO Studie, die vor einigen Jahren zur Zulassung von Ocrelizumab bei (früher) PPMS geführt hat, waren die eingeschlossenen MS-Patienten nicht nur älter sondern auch schwerer betroffen.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass hier erstmals eine hochwirksame MS-Therapie (HET) in einem kontrollierten Studiensetting bei langjährig und schwer betroffenen progredienten MS-Betroffenen eingesetzt wurde. – Also bei einer Gruppe, die in Studienprogrammen selten berücksichtig wird und bei der in der Regel eher symptomatisch als immuntherapeutisch therapiert wird.
Primärer Endpunkt der Studie war die Krankheitsprogression anhand eines kombinierten Endpunktes aus Handfunktion (gemessen mit dem 9-Loch-Steckbretttest) und EDSS. Im Vergleich zu Placebo wurde das Risiko einer Progression um 30 % reduziert. Trennt man nach Handfunktion und EDSS auf, so betrug die Risikoreduktion für die Progression der Handfunktion sogar 41%. Das Sicherheitsprofil von Ocrelizumab ergab auch in dieser bereits älteren Patientengruppe keine neuen Signale.
Die Studie ist deswegen von Bedeutung, da sie letztlich belegt, dass eine antiinflammatorische Therapie in jeder Phase der Erkrankung sinnvoll sein kann und positive Aspekte für MS-Betroffene bereithalten kann. – Denn wenn man im Alltag einen Rollstuhl benötigt, kann eine stabile Handfunktion von erheblicher Bedeutung sein.
Ocrelizumab bei Kindern und Jugendlichen
Auch auf der entgegengesetzten Seite des Erkrankungsspektrums wird die B-Zell-Depletion mit dem ECTRIMS 2025 an Bedeutung gewinnen. Es wurden nämlich erstmals die Daten der OPERETTA II Studie präsentiert – eine Studie, die die Wirkung von Ocrelizumab gegenüber Fingolimod bei pädiatrischer MS untersucht hat. Fingolimod war die erste hochwirksame Therapie, die vor einigen Jahren bei kindlicher/ jugendlicher MS untersucht wurde und sich hier zu einem echten „Gamechanger“ entwickelt hat – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die pädiatrische MS hoch-inflammatorisch ist und oft mit Plattformtherapien nicht ausreichend kontrolliert werden konnte.
Im direkten Vergleich konnte Ocrelizumab jetzt zeigen, dass es im Vergleich mit Fingolimod nicht unterlegen ist. Angesichts der Studienergebnisse mit einer ca. 48 % Risikoreduktion für klinische Schübe gegenüber Fingolimod wirkt die B-Zell Depletion sogar überlegen – aber für diese Aussage war die Studien nicht gepowert. Allerdings zeigt sich bei allen sekundären Endpunkten ein so eindeutig besseres Abschneiden der B-Zell Depletion gegenüber Fingolimod, dass es in Zukunft recht schwer fallen dürfte, Kindern mit hochinflammatorischer MS eine B-Zell-Therapie vorzuenthalten, insbesondere da auch bei Kindern das Sicherheitsprofil der B-Zell Depletion akzeptabel war.
Beide Studien zeigen somit exemplarisch – und das ist mittlerweile eine sehr stabile Erkenntnis –, dass wir inzwischen wirklich gut darin sind, die inflammatorische Komponente/ die fokale Inflammation des ZNS zu kontrollieren. Aber das ist eben noch nicht die Lösung der komplexen Erkrankung Multiplen Sklerose – zu den möglichen Lösungswegen mehr in der nächsten Folge meines kleinen Kongressberichtes.







GUTEN TAG
AUC H ICH BIN GESPANNT AUF DEN NÄCHSTEN BERICHT;
ICH BIN SEIT 1976 AN MS ERKRANKT, MITTLERWEILE SPMS.
DEMENTSPRECHEND SIND MEINE HÄNCDED
SEIT DEM WARTE ICH AUF STUDIEN FÜR ÄLTERE UND SCHWER BETROFFENE PERSONEN.
DANKE FÜR DIE INFO
Danke für die interessanten und spannenden Informationen.
Bin schon sehr gespannt auf die nächste Folge.