Eine weitere wichtige Studie, die auf dem diesjährigen AAN 2026 präsentiert wurde, ist die METEROID-Studie. Hier geht es um die Wirkung von Satralizumab bei Patienten mit MOGAD. MOGAD steht für Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-Antikörper-assoziierte Erkrankung. Das ist eine seltene entzündliche Autoimmunerkrankung des ZNS, die durch den Nachweis hochtitriger Antikörper gegen MOG (Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein) charakterisiert ist. Sie wurde erst kürzlich als eigene Entität von der Multiplen Sklerose abgegrenzt. Die MOGAD manifestiert sich häufig am Sehnerv (Optikusneuritis) aber auch am Rückenmark (Myelitis), wobei hier typischerweise die Conus-Region betroffen ist und zu Problemen mit der Blasen- oder Darmkontrolle führen kann.
Satralizumab ist ein monklonaler Antikörper, der gezielt den IL6-Rezeptor blockiert. IL6 wiederum ist u.a. für die Aktivierung von B-Zellen von Bedeutung und spielt daher in der Pathogenese Autoantikörper-vermittelter Erkrankungen eine Schlüsselrolle. Satralizumab ist bereits zur Behandlung der durch Antikörper gegen den Wasserkanal Aquaporin-4 vermittelten Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) unter dem Handelsnamen Enspryng® zugelassen. Sein Einsatz bei der ebenfalls Autoantikörper-vermittelten MOGAD folgt daher einer gewissen Logik.
Studie bei MOGAD
Insgesamt wurden 132 Patienten mit MOGAD in die METEROID-Studie eingeschlossen und entweder auf Satralizumab oder Placebo randomisiert, wobei die Patienten eine Basis-Immunsuppression mit Azathioprin, MMF, oralen Steroiden oder die Kombination dieser Wirkstoffe beibehalten durften. Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten im Alter von ≥12 Jahre mit positivem Serum-Befund für MOG-IgG. Die Studienteilnehmer mussten rezidivierende Attacken haben, also entweder ≥1 MOGAD-Rezidiv in den 12 Monaten vor dem Screening oder ≥2 Attacken in den 24 Monaten vor dem Screening. Ungefähr die Hälfte dieser Patienten war mit oralen Kortikosteroiden behandelt.
Während in der Placebogruppe 24 Patienten (37,5 %) einen weiteren Schub erlitten, waren es in der Satralizumabgruppe 9 Patienten (13,2 %). Dementsprechend reduzierte Satralizumab das relative Risiko um 68 %, weitere MOGAD-Rezidive innerhalb des Studienzeitraums zu erleiden. Die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen war dabei in beiden Gruppen vergleichbar. Es traten insgesamt nur wenige schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf, v.a. waren alle injektionsbedingten Reaktionen nicht schwerwiegend. Die Häufigkeit von Infektionen und schwerwiegenden Infektionen war ebenfalls in beiden Gruppen vergleichbar.
Satralizumab-Ergebnisse positiv, wobei…
Die METEROID-Studie konnte damit zeigen, dass Satralizumab das Schubrisiko bei Patienten mit rezidivierender MOGAD im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert. METEOROID ist damit die erste prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie zu MOGAD und derzeit die einzige Studie mit positiven Ergebnissen bei MOGAD.
Grundsätzlich stellt sich allerdings bei MOGAD die Frage, wie häufig eigentlich generell mit Rezidiven bzw. erneuten Attacken nach der Diagnose zu rechnen ist. Bei Erwachsenen findet sich in der Literatur eine Rezidivrate von bis zu 50 %, bei Kindern von bis zu 40 %. Diese Zahl – so die Hypothese von Annette Langer-Gould in einer wissenschaftlichen Sitzung zu MOGAD und NMOSD auf dem diesjährigen AAN – ist überschätzt, u.a. weil in Studien häufig nur Patienten mit MOGAD-Rezidiven eingeschlossen werden (wie auch in der oben beschriebenen METEROID-Studie). Eine solche Überschätzung des Rezidivrisikos birgt das Risiko einer aggressiveren Immuntherapie der MOGAD als eigentlich notwendig.
Daher haben die Autoren Versicherungsdaten analysiert und das Rezidiv-Risiko in einer populationsbasierten Kohorte ausgewertet. Eingeschlossen wurden nur Patienten, die zwischen 2019 – 2024 diagnostiziert worden sind, die hohe MOG-Antikörper-Titer hatten und die mit dem ersten Schub diagnostiziert wurden. Legt man diese Datenbasis zugrunde, ist das Rezidivrisiko wesentlich niedriger als angenommen und betrug bei Erwachsenen 12,6 % und bei Kindern 10 %. Risikofaktoren für das Auftreten eines Rezidivs konnten nicht identifiziert werden, die meisten Patienten zeigten zudem eine gute klinische Erholung. Die Ergebnisse dieser (wenn auch zunächst einmal singulären und wenige Patienten umfassenden) populationsbasierten Studie unterstützt nicht die unmittelbare Initiierung einer prophylaktischen Immuntherapie und rechtfertigt auch keine längerfristige Steroidtherapie bei Patienten mit neu diagnostizierter MOGAD. Es wird daher vor dem Hintergrund der neuen MOGAD-Therapiestudien darauf ankommen, Patienten mit hohem Rezidivrisiko zu identifizieren und vorzugsweise diese Gruppe einer Therapie zuzuführen.







