Zunächst einmal möchte ich allen Lesern von MS-DocBlog ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr wünschen. – Bleiben sie gesund und hoffnungsfroh, trotz aller Widrigkeiten.
Apropos Widrigkeiten – damit wären wir gleich wieder im Thema: Es gibt Neues zu den BTKi. Kurz vor Weihnachten 2025, genauer gesagt am 15.12.2025, hat Sanofi, der Hersteller des BTKi Tolebrutinib, eine Pressemitteilung veröffentlicht und bekanntgegeben, dass die sog. PERSEUS Studie den primären Endpunkt verfehlt hat (amsel.de hatte bereits berichtet). Das was alles andere als eine gute Nachricht.
Enttäuschende Nachrichten kurz vor Jahresende
Worum genau geht es? PERSEUS ist die globale Phase-III-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Tolebrutinib im Vergleich zu Placebo bei Patienten mit primär progredienter Multipler Sklerose (PPMS) untersuchte. Sie ist neben GEMINI I + II (Tolebrutinib bei schubförmiger MS – RMS) und HERCULES (Tolebrutinib bei nicht-relapsierender sekundär chronisch progredienter MS – nrSPMS) die vierte und letzte Studie des ausgedehnten Studienprogramms zur Wirkung von Tolebrutinib bei unterschiedlichen Verlaufsformen der MS.
Die Studienteilnehmer erhielten in PERSEUS: täglich entweder eine orale Dosis Tolebrutinib oder ein entsprechendes Placebo über einen Zeitraum von bis zu ca. 60 Monaten. Einschlusskriterien waren ein Alter zwischen 18 und 55 Jahren, die Diagnose PPMS gemäß den revidierten McDonald-Kriterien von 2017 und ein EDSS-Wert zwischen 2,0 und 6,5. Der primäre Endpunkt war die bestätigte Behinderungsprogression nach sechs Monaten (cCDP). Dieser primäre Endpunkt wurde nicht erreicht, d.h. die Behinderungsprogression der PPMS-Patienten konnte nicht signifikant gegenüber Placebo verzögert werden. Im Hinblick auf die Medikamentensicherheit ergab die Studie keine neuen Aspekte.
Dieses Ergebnis ist auch deswegen so enttäuschend, weil die positiven Ergebnisse der HERCULES Studie zuvor enthusiastisch aufgenommen wurden. – Endlich gab es eine interessante Therapieperspektive zur Behandlung chronischer MS Verläufe, nachdem HERCULES zeigen konnte, dass es die Behinderungsprogression von Patienten mit nrSPMS signifikant gegenüber Placebo reduzieren konnte. Vor dem Hintergrund, dass man derzeit ähnliche immunpathologische Mechanismen bei der PPMS und der nrSPMS annimmt, ist das Ergebnis der PERSEUS Studie demnach nicht so leicht einzuordnen.
Einige Tage später kam dann auch die Nachricht, dass die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung von Tolebrutinib für die nicht-rezidivierende sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS) zunächst abgelehnt hat. – Man wird sich mit dem Hersteller über das weitere Vorgehen abstimmen (hierüber hatte amsel.de bereits in einem Jahresüberblick berichtet: Therapie der MS 2025 und jüngste Entwicklungen).
BTKi: Zulassung in Europa noch offen
Auch in Europa steht die Zulassung von Tolebrutinib bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA an; hier wird eine Entscheidung in den kommenden Monaten erwartet und man darf gespannt sein, wie die Europäer mit dieser Sachlage umgehen.
Insgesamt ist das Thema BTKi von einem ziemlichen „Auf und Ab“ geprägt. Es ist noch nicht lange her, da hat die Fa. Roche positive Studienergebnisse für ihren BTKi Fenebrutinib sowohl bei schubförmiger als auch bei PPMS kommuniziert. Diese Ergebnisse sind – ich hatte das bereits auf DocBlog kommentiert – eigentlich ein Signal, dass das Konzept der BTKi sinnvoll ist und Potenzial hat. Die aktuelle Situation stellt nun zumindest das Potenzial von Tolebrutinib infrage, wobei man zunächst einmal die genaueren Studienergebnisse abwarten sollte – bisher ist ja nur eine Pressemitteilung veröffentlicht, die keine genaue Einordnung der Studiendaten erlaubt.
Das wäre wahrscheinlich auch meine Empfehlung – erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, was natürlich für die Betroffenen mit progredienter MS, die aktuell auf die Zulassung von Tolebrutinib warten, keine zufriedenstellende Nachricht ist. Ich persönlich denke aber – auch wenn die PERSEUS Studie negativ ausgegangen ist –, dass BTK-Inhibitoren ein Zukunftspotential haben und dass es auch wünschenswert wäre, die positiven Ergebnisse der HERCULES Studie in die Realität zu übertragen. Ich hoffe daher auf plausible Erklärungen nach Sichtung der vollständigen Studienergebnisse und letztlich doch auf eine baldige Zulassung des ersten BTKi.
AMSEL und MS-Docblog informieren Sie, sobald es Neues zu BTKi gibt.







