Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Medikamente

Medikament vergessen – wie handle ich richtig?

Häufig wird ein Medikament einfach unabsichtlich vergessen. Dann stellt sich Frage, wie man sich richtig verhält. Wie schon gesagt, ist das sporadische Vergessen einer Tablette oder einer Spritze kein Drama. Es sollte dann aber nicht versucht werden, die verpasste Einnahme dadurch zu beheben, indem man beim nächsten Mal die doppelte Dosis einnimmt. Stattdessen sollte man einfach das geplante Einnahmeschema weiter fortsetzen.

Konkret bedeutet dies, wenn man eine Injektion mit Betaferon/Extavia®, Rebif® oder Copaxone/Clift® vergisst, dann setzt man die Einnahme einfach zum nächsten geplanten Termin fort. Wer den Termin einer wöchentlichen Avonex® oder einer zweiwöchentlichen Plegridy™ Injektion verpasst, der kann auch 1 – 2 Tage später diese Gabe noch nachholen. Wird der Ausfall erst später bemerkt, so bleibt man besser im vorgegebenen Takt. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch beruhigend zu erfahren, dass auch eine Plegridy-Injektion alle 4 Wochen in der Zulassungsstudie noch eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt hat, allerdings nicht so ausgeprägt wie mit einer Injektion alle zwei Wochen, weswegen die zweiwöchentliche Gabe zugelassen wurde.

Wer Tecfidera® oder Aubagio® vergessen hat, sollte ebenfalls nicht die nächste Dosis verdoppeln, sondern ebenfalls im vorgegebenen Takt bleiben und die nächste Gabe wie geplant fortsetzen. Längere Ausfallzeiten sollten vor allem bei Tecfidera® vermieden werden, da dieses Medikament eine relativ kurze Halbwertszeit hat.

Auch bei Gilenya® sollten längere Ausfallzeiten unbedingt vermieden werden. Gilenya® zählt ja – im Gegensatz zu den vorher genannten Medikamenten – zu den Immunmodulatoren, die bei aktiveren Verläufen angewendet werden. Die Einnahme liegt aber ebenfalls in der Eingenverantwortung des Patienten. Daher eine wichtige Bemerkung zu Gilenya®: Der Beginn der Einnahme sollte ärztlich überwacht werden. Formal muss diese Überwachung erneut durchgeführt werden, wenn Gilenya® über einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt wird – die Länge dieses Zeitraums beträgt in der ersten Woche nach Therapiebeginn nur > 1 Tag, drei bis vier Wochen nach Therapiebeginn max. sieben Tage, und ab dem ersten Monat nach Therapiebeginn zwei Wochen. Daher empfiehlt sich – auch aus Sicherheitsgründen – Gilenya® vor allem am Anfang sehr regelmäßig einzunehmen.

Ein anderes Medikament, dass bei aktiven Verläufen gegeben wird und dessen Einnahme ebenfalls in der Einenverantwortung der Patienten liegt, ist Mavenclad®. Mavenclad® beruht auf einem Induktionskonzept, d.h. Tabletten werden nur in einem bestimmten Zeitraum innerhalb des ersten und zweiten Behandlungsjahres eingenommen. Für die Wirkung ist es daher auch von großer Bedeutung, dass die individuell berechnete Dosierung tatsächlich eingenommen wird – höhere Dosierungen können für den Patienten gefährlich sein. Daher gilt hier besondere Sorgfalt. Wenn eine Tablette innerhalb eines Zyklus vergessen wird, dann sollte die Dosis nicht „aufgeholt“ werden, sondern der Zyklus wird um einen Tag nach hinten verlängert, bzw. um zwei, wenn die Gabe an zwei Tagen verpasst wird usw. – wobei ich hoffe, dass eine solche Situation in der Realität gar nicht vorkommt.

Alle noch nicht genannten MS-Medikamente haben den Vorteil, dass sie als Infusion verabreicht werden und die Zubereitung und Gabe daher in der Verantwortung des Arztes liegt. In der Regel funktioniert es bei diesen Medikamenten sehr gut, dass der Patient die vorgegebene Dosierung in den vorgegebenen Zeiträumen erhält. Bei den Infusionstherapien ist es zudem nicht nötig, die Intervalle ganz exakt zu terminieren, Verschiebungen von einer Woche sind weder bei Tysabri®, noch bei Alemtuzumab® oder Ocrelizumab® ein Problem.

Trotzdem ist es auch bei diesen Medikamenten wichtig, dass die vereinbarten Termine zuverlässig eingehalten werden.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

Meine Beiträge

Ein Kommentar zu “Medikament vergessen – wie handle ich richtig?

  1. Gibt es zur plegridy Injektion alle 4 Wochen genaueres? Ich hatte heftige toxische exanthem, wenn ich es in größerem Abstand Spritze, praktisch keine mehr

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