Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Baby_Kinderwunsch_Hände

Männer, Medikamente und Kinderwunsch

Ich hatte ja am 09.01.2019 einen Artikel über MS-Medikamente in der Schwangeschaft online gestellt. Hierzu fand sich der Kommentar „Gut zu Wissen, aber was ist mit den Herren?“ von Faxe, der natürlich vollkommen recht hat – die Beratung von Männern fällt bei diesem Thema immer etwas hinten runter. 

Ich bitte um Nachsicht, dass ich daran nicht gedacht habe, aber da die männliche Schwangerschaft noch Zukunftsmusik ist, habe ich nicht unmittelbar bei der Bearbeitung des Themas „Medikamente und Schwangerschaft“ an die Herren gedacht. Dabei gibt es durchaus auch für Männer ein paar Dinge zu beachten, allerdings wesentlich weniger als bei den Frauen. Es geht in erster Linie um die Frage, was bei der Zeugung eines Kindes zu beachten ist – und des Weiteren spielen Fragen zur Fertilität (Fruchtbarkeit) eine Rolle.

Vielleicht daher erst einmal zum Punkt der Fertilität: Mit Ausnahme von Mitoxantron gibt es keine Hinweise, dass eines der aktuell zugelassenen Medikamente einen Einfluss auf die Fortpflanzungsfähigkeit hat. Für Mitoxantron wird ausdrücklich empfohlen, dass aufgrund der Gefahr einer irreversiblen Fertilitätsstörung eine Kryokonservierung des Spermas vor Anwendung durchgeführt werden sollte.

Nun ist Mitoxantron in der Vergangenheit zwar ein wichtiges Medikament zur Behandlung hochaktiver MS-Verläufe gewesen, aktuell spielt es aber aus meiner Sicht keine wesentliche Rolle mehr und sollte aus meiner Sicht auch nur noch in ausgewählten Einzelfällen de novo angewendet werden. Es ist daher zu erwarten, dass Mitoxantron in den überarbeiteten Leitlinien auch nicht mehr als Behandlungsoption auftaucht.

Wie ist die Lage nun im Hinblick auf die Zeugung eines Kindes? Auch hier gilt für Männer, die mit Mitoxantron behandelt wurden, dass für mindestens sechs Monate nach der letzten Gabe verhütet werden sollte, da Mitoxantron Erbgut-schädigend wirken kann. Dies sollte auch bei der Behandlung mit Cladribin beachtet werden – für Männer wie für Frauen gilt, dass 6 Monate nach der letzten Gabe von Cladribin sicher verhütet werden sollte. Angesichts einer Reife- und Lebensdauer von Spermien von ca. 3 Monaten gilt der Abstand von 6 Monaten im Allgemeinen als ausreichend und sicher.

Bei allen übrigen Medikamenten müssen Männer eigentlich nichts beachten. Vielleicht sollte man aber noch ein paar Worte zu Teriflunomid verlieren. Bei Einnahme von Teriflunomid kann der Wirkstoff in der Spermienflüssigkeit nachgewiesen werden, allerdings um ein vielfaches niedriger (ca. 100 x) als im Blut eines mit 14 mg exponierten Individuums. Dementsprechend besteht die theoretische Möglichkeit, dass geringste Mengen des Wirkstoffes bei der Zeugung eines Kindes an die Partnerin weitergegeben werden. Insgesamt wird das Risiko aber in der Fachinformation als gering eingeschätzt.

Also – wie ich bereits sagte, Männer müssen deutlich weniger Fakten beachten als Frauen. Vorsicht ist eigentlich nur bei Mitoxantron und Cladribin geboten. Da aber Cladribin im Sinne einer Induktionstherapie verwendet wird und nicht wie Mitoxantron in dreimonatlichen Abständen regelmäßig angewendet wird, stellt auch diese Beschränkung kein wesentliches Hindernis für männliche Patienten dar, die Nachwuchs zeugen wollen und auf Cladribin eingestellt werden sollen – vorausgesetzt man bringt ein wenig Geduld (1.5 Jahre) mit.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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