Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

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Lymphozytopenie unter Tecfidera

Dimethylfumarat (Tecfidera®)hat sich als Erstlinientherapie zur Behandlung der Multiplen Sklerose etabliert. Die Verfügbarkeit einer gut wirksamen oralen Therapie mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil hat die Möglichkeiten der MS Therapie erweitert.Verunsicherung kam auf, nachdem vier Fälle einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter Therapie mit Tecfidera aufgetreten sind. Dabei handelt es sich im Gegensatz zur Therapie mit Natalizumab (Tysabri®) um ein sporadisches Auftreten, das bei vielen Immuntherapien vorkommen kann. Zum Vergleich: aktuell werden ungefähr weltweit 170.000 Patienten mit Dimethylfumarat behandelt und 4 PML-Fälle sind weltweit aufgetreten, mit Natalizumab werden derzeit 150.000 Patienten weltweit behandelt und es sind über 600 PML-Fälle bekannt. Wir sprechen somit bei Tysabri über eine ganz andere Größenordnung, die selbstverständlich auch ein anderes Risikomanagement erforderlich macht.

Dennoch ist es natürlich von hohem Interesse, mehr über die PML-Fälle unter Tecfidera zu erfahren und Risikofaktoren zu identifizieren. So war bei drei der vier PML-Fällen unter Tecfidera im Vorfeld eine lang anhaltende Lymphozytopenie zu beobachten, also ein Abfall der Lymphozyten (Untergruppe der weißen Blutkörperchen im Differentialblutbild) im peripheren Blut auf < 500/µl. Der vierte Fall hatte zwar keine so ausgeprägte Lymphozytopenie, aber auch hier war eine Unterschreitung der unteren Normgrenzen der Lympozytenwerte nachzuweisen.

Demnach ist die langanhaltende Lymphopenie (> 6 Monate) der einzige identifizierbare Risikofaktor für das Entstehen einer PML unter Tecfidera. Daher wurde nach der Neubewertung der Medikamentensicherheit durch die europäische Arzneimittelkommission (European Medicines Agency, EMA) auch eine regelmäßige Kontrolle des Differentialblutbildes unter  Tecfidera vorgeschrieben.

Auf den aktuellen Kongressen wurde nun kommuniziert, dass das Risiko für eine lang anhaltende Lymphopenie vor allem dann besteht, wenn in den ersten 6 Monaten nach Therapieeinleitung Lymphozytenwerte von unter 500/µl im peripheren Blut gemessen werden. Insbesondere zu Beginn einer Tecfidera-Therapie lohnt es sich daher zu beobachten, ob es zu einem raschen Abfall der Lymphozyten kommt. Bei Patienten, die einen solchen raschen Abfall der Lymphozyten zeigen und deren Werte auch im Verlauf niedrig bleiben, sollte nach einer Therapiealternative gesucht werden.

Patienten, die in den ersten Monaten stabile Lymphozytenwerte aufweisen, die bis zu 30% unter den Basiswerten liegen, haben wahrscheinlich auch im weiteren Verlauf kein wesentliches Gefährdungspotential. Zudem sollte ein einmalig niedrig gemessener Lymphozytenwert keine direkte Konsequenz nach sich ziehen, sondern erst einmal kontrolliert werden. Bis weitere Erkenntnisse vorliegen, erscheint das konsequente Monitoring der Lymphozyten vor allem in der Anfangsphase der Therapie ein probates Mittel zu sein, um Patienten mit einem erhöhten Risiko zu identifizieren.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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19 Kommentare zu “Lymphozytopenie unter Tecfidera

  1. Ich nehme Tecfidera seit gut 2 Jahren, seitdem keine Schübe mehr, vorher ca. 2 im Jahr. Nebenwirkungen immer wieder ein Flush, sonst nichts, Blutbild gut (Kontrolle alle 8 Wochen).
    Ich bin der Meinung, das Medikament, das mir hilft, also primär Schübe verhindert, ist das richtige für mich und das tut es definitiv.

    Eventuelle Nebenwirkungen hat jedes Medikament und ein gewisses PML Risiko hat jede Therapie, die in das Immunsystem eingreift. Klar gibt es auch beim einen oder anderen Unverträglichkeiten, die zum Therapieabbruch führen, aber die breite Masse der behandelten MS-Kranken verträgt es wohl gut.

    Die Kostendiskussion ist Sache der Politik und der Wirtschaft. Ich habe andere Dinge in meinem Alltag zu bewältigen.

  2. Nehme Teciferda nun seit 1 1/2 Jahren und hab selten irgendwelche NW. Minimaler Haarausfall und kurz einen Flush ein paar Stunden nach der Einnahmezeit. Hatte vorher 2-3 Schübe pro Jahr – seit der Einnahme von TF keinen einzigen mehr. Aber schlägt bei jedem anscheinend anders an …

  3. Also ich hab’s 19 Monate geschafft und dann gewechselt. Zuzüglich zu allen bereits genannten Nebenwirkungen hatte ich wöchentlich starke Migräne. Und 2.141 Euro für die erste Packung stand 03/2014 nenne ich mal definitiv nicht günstig … Aber mit den Chroni’s lässt sich ja gut Geld verdienen!

  4. Auch ich habe das Tacfidera genommen und bin MS Patentin aber geringe Nebenwirkungen hat das Zeug ganz und gar nicht….Hier mal meine Erfahrung 1 Woche 120mg vertragen und dann gesteigert auf 240mg und es ging los mit Erbrechen Durchfall …. Ok Magen Darm sagte man…. Dann kamen übelste Krämpfe ( man hatte das Gefühl 5 Kinder gleichzeitig zubekommen ) mit Schwindel und Schweißausbrüche …. Keiner konnte sich erklären was plötzlich los war …. Naja fast Job verloren weil der Chef dachte man habe kein Bock auf Arbeit ….. Die Krämpfe spielten sich auf einen 5-6 Std ein und das Tag so wie Nacht und das ganze schmerzspiel sog sich dann so ca 45 Min hin…. Während der Zeit 1 x Notarzt und Krankenwagen ….. Bis mein Mann die Schnauze voll hatte und mich zur Hausärztin brachte während ich so krampfte …. Die schickte mich sofort in die Klinik …. Naja da sagte man mir da sind Nebenwirkungen die können bis zu 3 Monate dauern entweder sie halten das aus oder setzten das Tecfidera ab …. Ich setzte ab und schon waren die Nebenwirkungen weg ….. Das Zeug ist meiner Meinung nach die größte Lüge …. Wenn es mir ohne Medi besser geht als mit dem Zeug sorry dann läuft da was Falsch

  5. Wenn ich lese – gut VerträglicheTherapie mit geringen Nw, Frage Ich mich warum nur die Hälfte aller Tatsachen aufgetreten Nw in diesem Bunten Info Blatt steht.
    Warum selbst Neurologische Praxen mit Nw die nicht aufgeführt sind ( Hautbrennen,Nase tropfen, Gelenkschmerzen, Unruhe ) nicht umzugehen wissen
    Sie nennen das PML Risiko gering, ich nenne es das unkalkulierbare Risiko, da Blutwerte nur alle 6-8 Wochen getestet ,in Labors auch nur Menschen arbeiten denen Fehler unterlaufen.
    Wie kommt’s das viele Neurogen vom einschleichen nichts wissen? Warum wird dieses Medikament verabreicht wie H asbonbons?

      1. Hallo!
        Ich habe eine Frage: Ich nehme seit nunmehr 3 Jahren Tecfidera und habe seit 4 Monaten extremen Haarausfall, der auch nicht abbricht (circa 300 Haare pro Tag). Beim Hautarzt war ich auch schon, er hat auf die Schilddrüse getestet und meinte das wäre es nicht. Der Hausarzt schiebt es auf Tecfidera, der Neurologe meint es käme nicht davon, er hätte noch nie davon gehört, dass Tecfidera mit Haarausfall einherginge. Ich habe aber nun schon öfter gelesen, dass MS-Patienten unter Haarausfall (und Akne) litten, was bei mir auch auftrat, zeitgleich mit dem Haarausfall.
        Nun weiß ich nicht mehr, was ich machen soll.

        Ich wäre froh, wenn mir jemand zu dieser Thematik schreiben könnte.
        Danke und Viele Grüße!

      2. Ist Gewichtsabnahme unter Tecfidera bekannt? Habe keine Magenprobleme, werde aber ständig angesprochen, wie dünn ich geworden sei. Na ja, ich war nie dick, aber so auch nicht. Mein Neurologe will mich eher mal zum Gastroenterologen schicken…

        1. Hallo Anonymous
          Ich kenne das Problem sehr gut. Ich habe seit ich Tecfidera nehme (bzw zuerst mit Dimethilfumarat Präparat vom Apotheker) während zwei jahren über 12 Kilo abgenommen. Da die Gewichtsabnahme nicht als Nebenwirkung aufgelistet ist, steht auch mein Neurologe vor einem grossen Fragezeichen. Was hast du jetzt unternommen? Bist du jetzt zu einem Gastroenterologen gegangen?

    1. Deine geschilderten Nebenwirkungen stehen alle in der Fachinformation bzw. im Beipackzettel, also liegt es eher an Deinem Neurologen. Wenn er es nicht weiß, kann er nicht lesen.
      Und wie wäre es mit selber nachlesen? Wir sind doch alle mündige Patienten!

      Und wenn Du das Blutbild öfter kontrolliert haben willst, kostet zwischen 3-4 Euro, dann kannst Du es so oft machen wie Du willst!

  6. Danke für die Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse!

    Sie bringen es wieder mal auf den Punkt und helfen mir damit weiter!

  7. Sie wollen ernsthaft einen 1:1 Vergleich der PML Fälle zwischen der in 2004 zugelassenen Tysabri Therapie mit dem 10 Jahre später zugelassenen Tecfidera aufstellen?? Einfach so mal 10 Jahre PML Fälle im einen Fall dazu rechnen?

    Ein seriöser direkter Vergleich der PML Fälle könnte nur über die vergangenen 2 Jahre gehen. Sind sie gegenüber ihren Patienten auch so nachlässig mit den Zahlen?

    Sie könnten in ihrem Artikel ebenfalls erwähnen, dass unter dem Fumarsäure Vorgängerprodukt Fumaderm ebenfalls PML Fälle aufgetreten sind. Und das bei Patienten mit Lymphozyten Werten von über 600/µl. Folgerichtig hat man bei Fumaderm einen Lymphozyten Grenzwert von 700/µl.

    http://www.psoriasis-netz.de/medikamente/fumaersaeure/fumaderm-neuer-grenzwert.html

    Ist Tecfidera so viel „sicherer“ als Fumaderm dass sie ihren Patienten 500/µl als Untergrenze vorschlagen?

    Ihr Artikel ist dieses Mal etwas enttäuschend…

  8. Na da bin ich aber beruhigt.
    Wenn jetzt noch einer beschönigt wie viel Schübe das Gift verhindert hat, also Schübe die nachgewiesen ohne teure Chemie aufgetreten wären und nicht nur zufällig ausblieben kaufe ich Hersteller-Aktien und werde auch zum Pharma-/DMSG-/DGN-Jünger um deren Lehren zu verkünden.

    Scheint ja lukrativ zu sein.

    1. wann hört der betrug endlich auf?
      wann stehen die betroffenen auf und verlangen das nur die ärzte bezahlt werden die auch nachweislich heilen können?
      ist denn jeder arzt heute nur noch ein studierter apotheker?
      der mensch als versuchskaninchen damit weiter forschungsgelder fliessen.
      welches der bekannten mittel hat denn nun wirklich je geheilt?
      wo sind die ärzte mit gewissen?

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