Bild von einem Brunnen, Richtung Himmel aufgenommen. Genau hinter der Spitze des Brunnens steht die Sonne.

Kryo-Sauna bei MS – wie sinnvoll ist das?

Im Folgenden geht es um Kryo-Sauna bei MS. Auch der Sommer 2025 ist wieder einmal sehr heiß – für jeden eine Belastung, es besteht der ständige Wunsch nach Abkühlung. Für MS Betroffene gilt dies umso mehr. Auch wenn nicht jeder MS Betroffene gleichermaßen unter hohen Außentemperaturen leidet, können hohe Temperaturen zur Verstärkung von Symptomen der Erkrankung führen, z.B. einer Zunahme von Spastik oder Fatigue – ein Phänomen, das als sog. Uhthoff-Phänomen bekannt ist.

Kryo-Sauna – was bringt das?

Unter den möglichen Abkühlungsstrategien taucht derzeit häufig eine Methode auf, die als „whole body cryotherapy“ (WBC), auf Deutsch Ganzkörper-Kältetherapie, bezeichnet wird. Ich hatte dazu neulich sogar einen Beitrag in der Tagesschau gesehen.

WBC ist ein Verfahren, bei dem der gesamte Körper für kurze Zeit (typischerweise 2–4 Minuten) Temperaturen von -110 °C bis -160 °C ausgesetzt wird, also extrem niedrigen Temperaturen, die mithilfe von flüssigem Stickstoff erreicht werden. Die Anwendung erfolgt in speziellen Kältekammern, die von Fitness-Studios/ Wellness-Einrichtungen oder REHA-Zentren, aber in letzter Zeit auch immer häufiger von spezialisierten „Kryo-Centern“ angeboten werden.

Das Konzept kommt ursprünglich aus dem Leistungssport – man verspricht sich durch die Kälteanwendung Muskelbeschwerden zu verringern und die Regenerationszeit nach intensiver Belastung zu verkürzen. – Viele werden sich sicherlich noch an Per Mertesacker und die Eistonne nach dem WM-Spiel 2014 gegen Algerien erinnern.

Anwendungsgebiete von Kältetherapie

Mittlerweile hat das Konzept aber auch eine Ausweitung auf andere Indikationen erfahren und wird u.a. in der Schmerztherapie und einer Vielzahl von chronischen Erkrankungen als kommerzielle Leistung angeboten. Dementsprechend taucht – wie könnte es anders sein – auch die Multiple Sklerose als „empfohlenes“ Anwendungsgebiet der WBC auf.

Prinzipiell ist Kälteanwendung bei MS ein plausibler Ansatz. – Nerven leiten in Kälte langsamer, mit der Folge, dass unangenehme und bisweilen auch schmerzhafte Missempfindung reduziert werden, Spastik und Ataxie nehmen ab. Die mentale Leistungsfähigkeit wird nach Abkühlung besser.

Die Frage ist allerdings, ob es zum Erreichen dieser Effekte sinnvoll und notwendig ist, den Körper einer extremen Kälte auszusetzen. Bei der WBC besteht die Gefahr von Erfrierungen (z. B. bei zu lange Dauer oder feuchter Haut), wobei ich diese Komplikation nicht zu hoch hängen möchte – in der praktischen Anwendung passiert tatsächlich relativ wenig. Dennoch ist die WBC nicht für jeden geeignet, insbesondere Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrolliertem Bluthochdruck, Kälteurtikaria, offenen Wunden oder Atemwegserkrankungen sollten die Therapie meiden.

Gewünscht: wissenschaftliche Nachweise für Kältekammern

Darüber hinaus ist ein wesentlicher Kritikpunkt, dass die Wirkung der WBC nicht ausreichend durch wissenschaftliche Evidenz belegt ist. Die Effekte der extremen Kühlung halten zudem nur kurzfristig an, und müssten daher – wie auch alle anderen Kühlungsverfahren – regelmäßig wiederholt werden. Dafür wiederum ist die Methode aber relativ teuer – im Netz findet man Preisangebote zwischen 30 und 100 €, die privat getragen werden müssen.

Also, ohne Frage ist Kühlung für MS Betroffene an heißen Tagen ein probates Mittel zur Linderung von Symptomen bzw. dem Uhthoff-Phänomen. – Es stellt sich aber die Frage, ob es unbedingt diese Art von (medial überhöhter) Kühlung sein muss. Die Strategien, die schon seit Jahren von Neurologen und Selbsthilfeorganisationen empfohlen werden, wie einfache Kühlwesten (mit Kühlpacks), Klimageräte, regelmäßige Zufuhr von kalten Getränken etc., sind wahrscheinlich im Ergebnis ähnlich effektiv und deutlich billiger – aber natürlich nicht so „cool“.

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