Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

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Grippeimpfung!

Es ist jetzt wieder die Zeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen – deswegen sei auch mit diesem Beitrag erneut daran erinnert: Die Grippeimpfung ist für MS-Patienten weder gefährlich noch werden durch die Impfung Schübe ausgelöst. Im Gegenteil, die Impfung schützt vor einer schwerwiegenden Infektionserkrankung, die bei MS-Patienten zu Komplikationen führt und im ungünstigsten Fall sogar tödlich verlaufen kann. Es gibt absolut kein vernünftiges Argument gegen diese gut verträgliche und effiziente Schutzimpfung.

Mein Apell richtet sich im Übrigen nicht nur an MS-Betroffene, sondern auch an Angehörige und Verwandte. Gerade wenn man mit MS-Betroffenen zusammenlebt und diese vielleicht sogar Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen, ist es ein umso effektiverer Infektionsschutz, wenn auch das Umfeld geimpft ist. Ich würde sogar noch weiter gehen und anregen, dass auch medizinisches Personal, das MS-Patienten betreut, sich seiner Verantwortung bewusst sein und daher regelmäßig den Impfschutz gegen Influenza auffrischen sollte.

Mir ist bewusst, dass diese klaren Worte Gegenrede provozieren werden. Irgendjemand hat bestimmt eine Geschichte parat, mit der er belegen möchte, wie problematisch die Grippeimpfung ist und welche fatalen Konsequenzen zu befürchten sind. Solche Aussagen sind aber nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand nicht haltbar. Das Thema Impfen ist leider immer noch sehr stark emotionalisiert. Letztlich habe ich zwar kein Problem damit, wenn jemand eine Impfung ablehnt – das ist freie Entscheidung –, aber eine Impfung abzulehnen, ist kein Freifahrtschein, um Negatives darüber in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Grundsätzlich habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass meine Patienten der Grippeimpfung eher aufgeschlossen gegenüberstehen und meistens sogar selbst die Initiative ergreifen. Im diesem Zusammenhang treten dann häufig Fragen auf, die sich vor allem auf die Einnahme von bestimmten MS-Medikamenten beziehen. So wurde bereits bei dem letzten Blog zu diesem Thema nachgefragt, wie es sich z.B. bei einer Grippeimpfung unter Ocrelizumab verhält.

Das Problem ist hierbei, dass nicht die Impfung gefährlich ist, wenn man immunmodulierende Medikamente gegen MS einnimmt, sondern die Befürchtung besteht, dass kein ausreichender Impfschutz aufgebaut wird. Dementsprechend gilt die Empfehlung zwischen Grippeimpfung und Behandlung mit Wirkstoffen wie Ocrelizumab, Alemtuzumab oder auch Cladribin einen größtmöglichen Abstand zur Impfung einzuhalten (bzw. noch vor Beginn mit den Wirkstoffen zu impfen).

Nun kann man sich das aber nicht immer aussuchen, denn die Grippeimpfung sollte ja in einem Zeitraum zwischen Oktober und Anfang Dezember gegeben werden, damit zum richtigen Zeitraum ein Impfschutz besteht. Patienten, die z.B. wie neulich eine Patientin von mir, im September mit Cladribin angefangen haben und trotzdem noch einen Grippeschutz haben möchten, benötigen daher besonderen Rat. Impfexperten empfehlen in solchen Fällen die Grippeimpfung im Abstand von einigen Wochen noch einmal zu wiederholen, um einen adäquaten Impfschutz aufzubauen.

Was die anderen MS-Medikamente neben den oben bereits angesprochenen Zell-depletierenden Therapien betrifft, so existieren hier Daten, dass eine Grippeimpfung in einem hohen Prozentsatz der therapierten Patienten zum gewünschten Erfolg führt. Also, unterm Strich ergeben sich auch für medikamentös therapierte Patienten keine Hindernisse in Bezug auf die Grippeimpfung. Und wie schon oben erwähnt, je besser der Impfschutz in der Allgemeinbevölkerung ist, umso geringer ist das Risiko für den Einzelnen, vor allem wenn er mit Immuntherapeutika behandelt wird.

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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Ein Kommentar zu “Grippeimpfung!

  1. Danke, der Artikel kommt gerade recht, da ich am überlegen bin, wann ich die Impfung machen sollte.

    Ich bekomme im Moment Tysabri, aber wenn ich Sie richtig verstehe, spielt das bei der Impfung für mich dann keine Rolle? Ob ich mich am selben Tag oder der selben Woche in der ich die Infusion bekomme impfen lassen, ist egal?

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