Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Medikamente

Das war 2019 …

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Auch 2019 gab es für MS-Patienten viele interessante Nachrichten, die ich auch teilweise in diesem Blog kommentiert habe. Etwas wirklich bahnbrechendes Neues ist aus meiner Sicht nicht passiert. Damit will ich die positive Zulassungsempfehlung für Siponimod (Mayzent) bei aktiver sekundär chronisch progredienter MS nicht kleinreden, aber wie schon ausgeführt (s. DocBlog S1P-Modulatoren) handelt es sich nicht wirklich um ein neues Konzept.

Wir haben im Jahr 2019 vor allem weitere praktische Erfahrung mit der noch relativ neuen B-Zell depletierenden Therapie mit Ocrelizumab (Ocrevus) gewinnen können – die Subgruppenanalysen der Zulassungsstudien haben auch die diesjährigen Kongresse dominiert. Ich denke, man kann zu Recht behaupten, dass wir mit diesem Antikörper eine gute Alternative zu Natalizumab (Tysabri) für JCV+ hochaktive MS-Patienten besitzen. Auf der anderen Seite waren die 2019 kommunizierten Daten zum verlängerten Dosisintervall von Natalizumab (EID – extended interval dosing) bei JCV+ Patienten ermutigend, da hierdurch die PML-Inzidenz deutlich reduziert werden konnte. Diese EID-Strategie wird zwar aus meiner Sicht das PML-Problem von Natalizumab nicht lösen, aber man wird dadurch die Medikamenten-Sicherheit für JCV+ Patienten, die weiterhin mit Tysabri therapiert werden möchten, erhöhen können.

Zu Verunsicherung hat die zwischenzeitliche Indikationseinschränkung von Alemtuzumab (Lemtrada) geführt. Die Europäische Arzneimittelagentur hatte aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen eine Sicherheitsüberprüfung eingeleitet, die mittlerweile abgeschlossen ist. Alemtuzumab sollte jetzt nicht mehr bei Patienten mit Herz-/Kreislauferkrankungen, Gerinnungsstörungen oder bei MS-Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, steht aber weiterhin für die Therapie der hochaktiven MS zur Verfügung.

Das ist letztlich eine gute Nachricht, denn das Konzept der gepulsten Immunrekonsitutionstherapie (PIRT – Pulsed Immune Reconstitution Therapy) wurde auch im Jahr 2019 mit großem Interesse verfolgt. Nicht nur, weil Cladribin (Mavenclad) als orales PIRT-Konzept zunehmend angewendet wird, sondern auch, weil das wissenschaftliche Interesse an der autologen Stammzelltransplantation – letztlich die Maximalvariante einer Immunrekonstitution – durch neue wissenschaftliche Veröffentlichungen im Jahr 2019 einen erheblichen Anschub bekommen hat.

Ich möchte behaupten, dass wir uns im Moment in einer Art Übergangsphase der MS-Therapie befinden. Wir haben die Möglichkeiten der anti-entzündlichen Therapien schon recht gut ausgeschöpft, wir müssen aber auch anerkennen, dass ein weiterer Fortschritt in der MS-Therapie nur dann möglich ist, wenn auch wirksame Strategien gegen die neurodegenerative Komponente der MS gefunden werden. Darüber hinaus ahnen wir, dass die Digitalisierung in der Zukunft zu tiefgreifenden Veränderungen in unseren Herangehensweisen führen wird – noch haben wir keine klaren Vorstellungen, wie diese Veränderungen genau aussehen werden und welche Möglichkeiten sie der Diagnostik und Therapie der MS eröffnen werden – dass diese Veränderungen aber kommen werden, daran besteht kein Zweifel.

Dementsprechend habe ich keine Sorge, dass es zukünftig langweilig werden wird. Die Themen für MS-DocBlog werden sicher nicht ausgehen. Ich freue ich mich daher jetzt schon auf das nächste Jahr mit Ihnen und auf die Neuigkeiten und Veränderungen, die wir uns zusammen ansehen und kommentieren werden. Nun bleibt mir nur noch, meinen geschätzten Leserinnen und Lesern eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit zu wünschen. Genießen sie die Weihnachtsfeiertage mit Ihren Lieben und kommen Sie gut in und durch das neue Jahr.

Ihr Mathias Mäurer

Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation, Standort Juliusspital, Klinikum Würzburg-Mitte gGmbH

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