COVID 19 – ein kurzes (persönliches) Update

Ich möchte kurz die aktuelle Lage kommentieren – wobei es sich hier in erster Linie um meine persönliche Sichtweise handelt. COVID 19 ist zwar nicht mehr das alles bestimmende Thema – in der öffentlichen Wahrnehmung stehen derzeit mit der Energiekrise und dem Ukrainekrieg ganz andere Themen im Vordergrund – trotzdem stellen viele meiner Patienten Fragen zum Fortgang der Pandemie und zu den Impfungen gegen COVID 19. Als Arzt sollte man dazu schon eine klare Haltung haben. Zunächst einmal ist es schön und beruhigend, dass sich das öffentliche Leben wieder weitgehend normalisiert hat – und die Normalisierung funktioniert. Natürlich kommen nach wie vor noch Patienten mit COVID 19 ins Krankenhaus. Aber häufig eher mit dem Erreger als wegen COVID 19. Schwere COVID 19 Verläufe sind selten geworden und betreffen meist ungeimpfte Personen oder (vorwiegend alte) Menschen mit internistischen Vorerkrankungen und schwachem Immunsystem, bei denen jedwede Infektion ein Problem darstellen kann.

Wir können relativ sicher davon ausgehen, dass uns das SARS-CoV2 Virus erhalten bleibt. Das Coronavirus wird sich in die Liste der Erreger einreihen, die v.a. zum Herbst/Winter hin Atemwegsinfekte hervorrufen, ähnlich wie das Influenza (Grippe) Virus oder das RSV Virus.
Im Gegensatz zu den vorherigen zwei Jahren wurde aber mittlerweile durch die Impfkampagne und die durchgemachten Infektionen (v.a. mit Omikron) eine relativ gute Immunitätslage gegen SARS-CoV2 in der Bevölkerung aufgebaut. Mir persönlich ist deshalb vor dem kommenden Herbst nicht so bange ist wie manchem Gesundheitspolitiker. Insbesondere teile ich nicht die Sorge vor dem Auftreten einer „Killervariante“. Wir werden Ansteckungen nicht verhindern können, aber die initiale Gefahr von schwerer Erkrankung und Tod ist gebannt.

Präventionsprophylaxe ist natürlich auch weiterhin sinnvoll. Im Herbst/Winter im öffentlichen Raum eine Maske zu tragen ist nicht unklug, um sich generell vor Atemwegsinfektionen zu schützen, sollte aber wieder in der Eigenverantwortung der Menschen liegen. Anders ist die Situation in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen. Hier ist eine Maskenpflicht aufgrund der vulnerablen Gruppen, die hier behandelt und betreut werden, nach wie vor richtig und sinnvoll. Ich gehe persönlich davon aus, dass uns der Mund-Nasen-Schutz im Krankenhaus noch sehr lange begleiten wird. Hingegen sollte man das Testen (Schnelltest) von asymptomatischen Personen hinterfragen.

Die magische Drei

Was die Impfung angeht, so ist hier „3“ die magische Zahl. Wenn man 3x mit den (ursprünglichen) mRNA-Impfstoffen geimpft ist, ist man bei Fehlen von Risikofaktoren auf der sicheren Seite. Ähnlich dürfte es sich auch bei 2x Impfen und einer durchgemachten Infektion (2 + 1 = 3) verhalten. Die günstigste Konstellation ist wahrscheinlich eine dreimalige Impfung mit den (ursprünglichen) mRNA Impfstoffen und eine durchgemachte Omikron-Infektion. Bei diesen Konstellation ist aus meiner Sicht eine weitere Impfung mit den (ursprünglichen) mRNA Impfstoffen (auch als 2. Booster bezeichnet) nicht notwendig. Diese Aussage würde ich auch gegenüber sonst gesunden MS-Patienten machen, auch wenn sie mit einer Immuntherapie (egal welcher) behandelt werden.

Ich teile daher die „Begeisterung“ des Bundesgesundheitsministers für einen generellen 2. Booster nicht. Ich halte ihn sogar aus immunologischer Sicht für fragwürdig. Hingegen ist die Empfehlung eines 2. Booster für der Bevölkerungsgruppe der alten Menschen (> 70), zumal wenn kardiovaskuläre Vorerkrankungen vorliegen, sinnvoll und ich würde diese Empfehlung auf (ältere) MS Patienten mit schweren körperlichen Einschränkungen ausweiten. Auch hier kann ein 2. Booster nicht schaden.

Was ist von den angepassten Omikron-Impfstoffen zu erwarten?

Wie verhält es sich nun mit den neuen angepassten Omikron-Impfstoffen? Derzeit ist in Deutschland nur der Update-Impfstoff gegen die Omikron-Variante BA.1 verfügbar. Sie spielt für das aktuelle Infektionsgeschehen eine untergeordnete Rolle. Daher sehe ich aktuell keine zwingende Notwendigkeit, diesen Impfstoff ansonsten gesunden MS-Patienten zu empfehlen. Ich persönlich würde daher die Verfügbarkeit des Update-Impfstoffes gegen die Omikron-Variante BA.5 abwarten, die derzeit das Infektionsgeschehen prägt. Unabhängig vom Vorliegen einer MS würde ich eine Auffrischung mit diesem Impfstoff Menschen empfehlen, deren Grundimmunisierung schon länger her ist oder deren letzte durchgemachte Infektion mehr als 6 Monate zurückliegt. Wahrscheinlich kann man davon ausgehen, dass es sich mit der COVID 19 Impfung ähnlich wie mit der Grippe-Impfung verhält. Es ist denkbar, dass wir in den nächsten Jahren zum Herbst hin Angebote mit aktualisierten Impfstoffen erhalten. Analog zur Grippeimpfung würde man neben anderen Gruppen auch Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie der MS diese Impfung ans Herz legen – aber eben auf freiwilliger Basis.

Meine Hoffnung ist, dass wir uns in Bezug auf das Thema Corona gesamtgesellschaftlich etwas entspannen. Weder eine kategorische Ablehnung von Maßnahmen ist hilfreich, noch eine übermäßig überspannte Herangehensweise. Ich möchte allerdings mit Blick auf Corona-Leugner und Impfgegner betonen, dass die Maßnahmen unserer Regierung und unseres Gesundheitssystems zu Beginn und im Verlauf der Pandemie absolut richtig waren und viel Leid verhindert haben.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank, Herr Dr. Mäurer, für diese ermutigenden, ehrlichen und besonnenen Worte! Es tut gut, diese aus der Feder eines geschätzten Mediziners zu lesen!

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