Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Medikamente

Daclizumab

Seit Sommer letzten Jahres ist mit Zinbryta® (Wirkstoff Daclizumab) ein neues Medikament zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose auf dem Markt. Im Vergleich zu den Markteinführungen neuer Medikamente in den vergangenen Jahren war die Einführung dieses Medikaments eher wenig spektakulär, obwohl es sich um ein innovatives Präparat mit einem neuen Wirkmechanismus handelt. Während viele neue MS-Medikamente auf die Reduktion von Entzündungszellen abzielen, handelt es sich bei dem monoklonalen Antikörper Daclizumab, der in Zinbryta® enthalten ist, um einen Antikörper,  der an den sog. Interleukin (IL)-2 Rezeptor bindet.

T-Lymphozyten, also die Entzündungszellen, die für die entzündlichen Attacken auf das Gehirn verantwortlich sind, benötigen für ihre Stimulation und Vermehrung den Botenstoff Interleukin (IL-2).  Daclizumab blockiert nun diesen wichtigen Mechanismus, führt aber auch dazu,  dass durch diese Blockade IL2  „im Überschuss“ vorhanden ist und es dadurch zu einer Stimulation  sog. CD56 bright NK Zellen kommt (NK-Zelle steht für natürliche Killerzelle). Diese Zellen besitzen regulatorische Eigenschaften und hemmen autoreaktive T-Lymphozyten. Zinbryta® ist somit ein MS-Medikament, das mit Erfolg in das Netzwerk der entzündlichen Botenstoffe eingreift.

Angesichts der bereits vielfältig vorhandenen anderen MS-Medikamente stellt sich nun die Frage, welche MS-Patienten besonders von diesem neuen Konzept profitieren und wo sich das neue Präparat einordnet. Dafür hilft ein Blick auf die Studiendaten. Aus einer Zulassungsstudie von Zimbryta (DECIDE) lässt sich ableiten, dass das neue Medikament Interferon-beta 1a i.m. (Avonex) überlegen ist. Es hat im Bezug auf die Schubreduktion und MRT-Aktivität signifikant besser abgeschnitten. Somit hat Zimbryta eine ähnliche Studienlage wie Fingolimod (Gilenya), das ebenfalls in einer seiner Zulassungsstudien eine bessere Wirksamkeit als ein Interferon beta 1a i.m. (Avonex) gezeigt hat.

Das Präparat ist damit z.B. eine Alternative zu Fingolimod, dass derzeit gerne angewendet wird, wenn Basistherapien (Interferone, Glatirameracetat etc.) nicht optimal wirken. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Wirkung reversibel ist und das Medikament nur in ganz geringem Maße zu einer Reduktion der weißen Blutkörperchen führt. Demnach könnte es interessant sein bei Patienten, die unter anderen Präparaten einen zu starken Abfall der Lymphozyten im peripheren Blut zeigen. Eine Situation, die z.B. manchmal bei der Gabe von Dimethylfumarat (Tecfidera) beobachtet wird. ,

Zudem ist das Medikament bequem anzuwenden – alle 4 Wochen muss eine subkutane Spritze gegeben werden. Zum einen kann man das selbst machen, zum anderen ist die Spritze auch recht gut verträglich – d.h. sie macht keine Grippe-ähnlichen Nebenwirkungen.

Natürlich hat auch diese Substanz Nebenwirkungen, die u.a. regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich machen. Häufige Nebenwirkungen sind die Erhöhung der Leberwerte. Dabei kann es  in seltenen Fällen auch zu starken Veränderungen der Leberwerte kommen – daher auch die regelmäßigen Blutkontrollen. Ebenfalls häufiger trifft man Hautveränderungen an – am häufigsten Ekzeme, die sich spontan zurückbilden. Seltener können diese Hautreaktionen aber auch so ausgeprägter sein, dass man das Präparat absetzen muss.

Insgesamt kann man aber davon ausgehen, dass mit der Substanz ein weiteres wirksames und sicheres Präparat zur Verfügung steht – und die Verfügbarkeit eines weiteren Medikamentes wird dazu führen, dass die individuellen Bedürfnisse von MS-Patienten und ihre Erwartungen an eine Therapie besser erfüllt werden können.

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Prof. Dr. med. Mathias Mäurer

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stiftung Juliusspital Würzburg

Meine Beiträge

8 Kommentare zu “Daclizumab

  1. Ob die lobende Erwähnung von der Pharmaindustrie beeinflusst wurde, vermag ich nicht zu beurteilen. Eigenartig finde ich allerdings, dass kein Update des Artikels nach den zwischenzeitlich eingetretenen Todesfällen erfolgt.

  2. Sehr interessant.
    Jetzt wäre es natürlich relevant zu erfahren, wofür man in einem Jahr alleine von Biogen GmbH 47.775,00€ an Honarar bekommt.
    Gibt es dazu nähere Infos?

  3. #wer seine einnahmen von biogen&co nicht veröffentlichen mag, dem mag man nicht glauben, daß es seine eigene meinung ist, die er präsentiert.

    wim

    1. https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/mathias-maurer-bad-mergentheim/

      war ja nur Taschengeld :-((
      (Mathias Mäurer hat der Veröffentlichung dieser Zahlungen zugestimmt, zumindet bei Correctiv)
      )

      Gesamtbetrag 95.686,21 €
      Biogen GmbH Honorare 47.775,00 €
      Biogen GmbH Spesen 17.901,86 €
      Sanofi-Aventis Deutschland GmbH Honorare 17.057,12 €
      Genzyme GmbH Honorare 4.105,73 €
      Biogen GmbH Reisekosten 2.713,17 €
      Sanofi-Aventis Deutschland GmbH Spesen 2.620,89 €
      Biogen GmbH Tagungsgebühren 1.170,00 €
      Roche Pharma AG Honorare 1.040,00 €
      Sanofi-Aventis Deutschland GmbH Reisekosten 812,57 €
      Genzyme GmbH Spesen 410,87 €
      Roche Pharma AG Spesen 79,00 €

      Die Informationen auf dieser Seite stammen von den 54 Mitgliedsfirmen der „Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“, die diese Angaben auf ihren jeweiligen Webseiten veröffentlicht haben.
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      1. Ist das alles nur beschämend. Auf dieser Welt sterben massenhaft Kinder an Hunger und hier wird so viel Geld vergeben. Das ist ethisch kaum ertragbar. Abgesehen davon, dass es im konkreten Fall nicht wundert, dass Herr Prof. Mäurer die Biogen-Produkte derart hochlobt. Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing. Schön, dass es doch Einige gibt, die unabhängig Aufklärung betreiben. Ohne Lohn. Das x-te Mal sogar selbst finanziert.
        Und ich bin sicher, die Zahlungsempfänger glauben auch noch fest, dass ihnen dieses Geld zusteht : (

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